Nadschaf Sadr legt die Waffen nieder

Die Kämpfer der Mahdi-Miliz in Nadschaf haben damit begonnen, ihre Waffen abzugeben. Sie sollen die Imam-Ali-Moschee im Laufe des Tages verlassen. Ihr Anführer Muktada al-Sadr wird nach seiner Zustimmung zum Friedensplan von Großajatollah Sistani auf freiem Fuß bleiben.




Amnestie für Muktada al-Sadr
REUTERS

Amnestie für Muktada al-Sadr

Nadschaf - Nur wenige Stunden nach einer Einigung zwischen den Konfliktparteien durch die Vermittlung Ali al-Sistanis sieht es so aus, als ob sich die bis dahin verfahrene Lage friedlich lösen lässt.

"An alle meine Brüder in der Mahdi-Armee... ihr solltet Kufa und Nadschaf ohne eure Waffen verlassen, gemeinsam mit den friedfertigen Massen", ließ das Büro Sadrs auf dem Gelände der Moschee über Lautsprecher verlesen.

Eine Reporterin des US-Senders CNN berichtete, dass Sadrs Kämpfer damit begonnen haben, ihre Waffen niederzulegen, nachdem ihr Führer sie dazu aufgerufen hat. Mitglieder der Mahdi-Miliz außerhalb der Moschee hätten aber zunächst ihre Waffen behalten.

Am frühen Morgen waren Tausende Schiiten zur Imam-Ali-Moschee gezogen. Die Mahdi-Miliz ließ die Anhänger Sistanis passieren. Sadrs Kämpfer hatten sich in der Moschee drei Wochen lang heftige Gefechte mit amerikanischen Truppen und Einheiten der irakischen Regierung geliefert.

Die US-geführten Truppen würden sich aus der Stadt zurückziehen, sobald Iraks Ministerpräsident Ijad Alawi sie dazu auffordere, sagte Staatsminister Kasim Daud heute Morgen in Bagdad. Nach dem Plan Sistanis müssen die Kämpfer von Sadrs Mahdi-Miliz bis 10 Uhr Ortszeit (8 Uhr MESZ) das umkämpfte Gotteshaus verlassen und ihre Waffen niederlegen. Wer dies tut, dem soll Amnestie gewährt werden.

Vorbei an beschädigten Häusern und über Geschosshülsen hinweg zogen Tausende Schiiten zu der Moschee. Dort wurden sie von Mahdi-Kämpfern begrüßt, die sie passieren ließen. Der Zugang zu einer der heiligsten Stätten der Schiiten wurde ebenfalls in dem Friedensabkommen vereinbart.

Anhänger von Großajatollah Ali al-Sistani tragen Bilder ihres religiösen Führers durch die Straßen
AFP

Anhänger von Großajatollah Ali al-Sistani tragen Bilder ihres religiösen Führers durch die Straßen

Die irakische Polizei schien bereits die Kontrolle in Nadschaf zu übernehmen. Nur wenige Geländewagen des US-Militärs fuhren an den Schiiten vorbei und entfernten sich vom Gelände der Moschee. Zehntausende Schiiten hatten Sistani bei seiner Ankunft in Nadschaf am Donnerstag begleitet, wo er die Verhandlungen mit Sadr aufgenommen hatte.

Sadr habe allen Punkten des Friedensplans zugestimmt, sagte Hamed al-Chafaf, ein Vertrauter Sistanis. Dem Friedensplan zufolge sollen sich die US-geführten Truppen vor die Tore Nadschafs zurückziehen. Nadschaf und die nahe gelegene Stadt Kufa sollen zu waffenfreien Zonen erklärt werden. In beiden Städten sollen die irakische Polizei und die Nationalgarde für Sicherheit sorgen. Die irakische Übergangsregierung soll den Opfern der Gewalt in Nadschaf und Kufa Entschädigung zahlen.

"Er bleibt frei wie jeder Bürger des Iraks", sagte Daud über das Schicksal Sadrs. Gegen Sadr war in diesem Jahr im Zusammenhang mit dem Mord an einem rivalisierenden Schiiten-Geistlichen in Nadschaf ein Haftbefehl verhängt worden. Die US-Armee hatte zuvor erklärt, sie werde Sadr gefangen nehmen oder töten.

"Ich möchte dem irakischen Volk zu dem Sieg gratulieren, den es heute errungen hat. (...) Wir werden ein friedfertiges Nadschaf und Kufa haben, frei von Waffen und frei von Milizen", sagte Daud.

Sistanis Bemühungen war eine entscheidende Bedeutung für die Befriedung des Landes zugemessen worden. Die Kämpfe in Nadschaf hatten die Ölpreise auf den Weltmärkten auf Rekordhöhen getrieben und die Autorität Alawis untergraben. Allein am Donnerstag waren bei Anschlägen in Nadschaf und Kufa mindestens 74 Menschen getötet und Hunderte verletzt worden. Bei den Gefechten zwischen der Mahdi-Miliz und US-Truppen waren in den vergangenen drei Wochen Hunderte Menschen getötet worden.

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