Nadschaf Sadrs Milizen geben den Schlüssel ab

Die Anhänger des radikalen Predigers Sadr in Nadschaf haben die Imam-Ali-Moschee verlassen. Um das Ende ihres Aufstandes symbolisch zu unterstreichen, händigten sie den Schlüssel zu dem Heiligtum dem Großajatollah Sistani aus. Nun herrscht gespannte Ruhe in der Pilgerstadt.


Imam-Ali-Moschee: Schlüsselübergabe als Symbol
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Imam-Ali-Moschee: Schlüsselübergabe als Symbol

Nadschaf - "Das Moscheegelände ist evakuiert worden", sagte Sistanis Sprecher Hamed al-Chafaf dem Sender al-Arabija. "Die Schlüssel wurden der religiösen Autorität übergeben."

Anhänger des radikalen Schiitenpredigers Muktada al-Sadr hatten sich seit Wochen in dem Heiligtum verschanzt. Die Übergabe der Schlüssel für die Moschee gilt als symbolischer Akt für das Ende des Aufstands.

Ali al-Husseini al-Sistani hatte am Vorabend ein Abkommen vermittelt, das den Abzug aller Kämpfer ebenso wie aller irakischen und ausländischen Truppen aus Nadschaf und dem benachbarten Kufa vorsieht. Den Aufständischen wird freies Geleit zugesagt, die Opfer der Kämpfe sollen von der Regierung entschädigt werden.

Nadschaf: Freude über das Friedensabkommen
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Nadschaf: Freude über das Friedensabkommen

Sadrs Anweisung an seine Mahdi-Miliz war über Lautsprecher auf dem Gelände der Imam-Ali-Moschee zu hören: "An alle meine Brüder in der Mahdi-Armee. Ihr solltet Kufa und Nadschaf ohne eure Waffen verlassen, gemeinsam mit den friedfertigen Massen." Dutzende Aufständische kamen der Anweisung nach und legten zahlreiche Kalaschnikows vor Sadrs Büro nieder.

Allerdings werden noch tausende bewaffnete Rebellen in Nadschaf vermutet. Beobachter wiesen darauf hin, dass Sadr schon mehrfach Waffenstillstandsvereinbarungen gebrochen hat.

Die Lage in Nadschaf blieb heute jedoch ruhig. Tausende Menschen zogen zur Iman-Ali-Moschee, um dort zu beten. Sie riefen "Gott gebührt der Dank" und küssten die Türen des Schreins, eines der höchsten Heiligtümer der Schiiten.

Irakische Polizisten sperrten das Gelände später vorsorglich ab und durchsuchten die Pilger nach Waffen. Vier Männer mit Granaten wurden festgenommen. In einem Gebäude, in dem Sadr eigenmächtig Gerichtsverhandlungen abgehalten und auch Todesstrafen verhängt hatte, wurden nach Polizeiangaben etwa zehn Leichen gefunden.

Gegenspieler und Mitspieler: Muktada al-Sadr (l.) und Ajatollah Ali al-Sistani (r.)
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Gegenspieler und Mitspieler: Muktada al-Sadr (l.) und Ajatollah Ali al-Sistani (r.)

Die US-Soldaten in Nadschaf behielten ihre Stellungen um die Moschee vorerst noch bei. Über der Stadt kreisten amerikanische Kampfflugzeuge. Allerdings beteuerte die US-Armee, ihre Soldaten würden sich während der ausgehandelten Waffenruhe auf "Selbstverteidigung" beschränken.



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