Nadschaf US-Großoffensive hat begonnen

US-Soldaten haben eine große Offensive in der irakischen Pilgerstadt Nadschaf gestartet. Augenzeugen berichten von schweren Gefechten zwischen Schiitenmilizen des Predigers Muktada al-Sadr und US-Marineinfanteristen. Die Amerikaner sind von der Hartnäckigkeit der Rebellen beeindruckt.


Sadr-Kämpfer in Nadschaf: Erbitterter Widerstand gegen US-Offensive
REUTERS

Sadr-Kämpfer in Nadschaf: Erbitterter Widerstand gegen US-Offensive

Bagdad - "Wir haben umfangreiche Operationen zur Ausschaltung der Miliz begonnen", sagte der amerikanische Major David Holahan. An der Offensive nehmen nach Angaben des Offiziers mehrere Tausend US-Soldaten teil. Ein Konvoi von Panzern und anderen Militärfahrzeugen rollte nach Nadschaf ein. In der Nähe des Schreins waren schwere Explosionen zu hören.

Auch der Korrespondent des US-Senders CNN in Nadschaf berichtete am Morgen von schweren Kämpfen in den nördlichen Außengebieten der Stadt. In der Innenstadt sei der Lärm der Feuergefechte deutlich zu hören. Weitere Augenzeugen berichteten von einer Serie heftiger Detonationen. Auch aus den südlichen Teilen der Stadt seien Schüsse aus automatischen Waffen zu hören - Rauch steige auf. Tausende Menschen seien auf der Flucht.

In den vergangenen Tagen haben die Truppen bereits die Altstadt von Nadschaf mit dem Imam-Ali-Schrein und dem angrenzenden Friedhof abgeriegelt, wo sich die Aufständischen halten.

"Als ob sie sich klonen"

Die Rebellen haben für den Fall einer vom irakischen Militär unterstützten US-Offensive in Nadschaf mit der Sprengung von Ölpipelines im Süden des Iraks gedroht. Dort sind bei heftigen Kämpfen nach Angaben des Gesundheitsministeriums in Bagdad bereits über 150 Iraker getötet worden. 550 weitere seien bei Kämpfen in den vergangenen 24 Stunden verletzt worden, teilte das Ministerium heute mit. Allein in Kut starben demnach 75 Menschen; in Bagdad seien es 33 Tote gewesen. Die Aufstände der Schiiten hatten sich gestern auf den gesamten Südirak ausgeweitet.

Die Verluste in den eigenen Reihen werden mit fünf US-Soldaten und 20 irakischen Soldaten angegeben. Ein amerikanischer Hauptmann zeigte sich beeindruckt von der Hartnäckigkeit des Widerstands. "Das kommt mir so vor, als ob sie sich klonen", sagte Hauptmann Patrick McFall. Während er sprach, explodierte ganz in der Nähe eine Mörsergranate.

Gestern Abend stürzte zudem in der westirakischen Provinz Anbar ein US-Transporthubschrauber ab. Dabei starben zwei US-Marineinfanteristen. Drei weitere Soldaten seien verletzt worden, teilte das US-Militärkommando heute in Bagdad mit. Der Absturz, dessen genaue Ursache noch untersucht wird, wurde nach ersten Einschätzungen nicht durch feindliches Feuer verursacht. Der Helikopter vom Typ CH-53 hatte Marines bei einem Einsatz unterstützt. In der Provinz Anbar liegen die sunnitischen Aufstandshochburgen Falludscha und Ramadi.

Uno-Sicherheitsrat verlängert Irak-Mission

Unterdessen hat sich der Weltsicherheitsrat auf eine Verlängerung der Uno-Mission im Irak um ein Jahr geeinigt. Eine entsprechende Resolution soll heute in New York angenommen werden. Die Vereinten Nationen sollten eine führende Rolle bei der Unterstützung der Iraker und der irakischen Regierung spielen, heißt es in dem Text. Spätestens in zwölf Monaten werde das Mandat überprüft.

Der neue Irak-Gesandte der Vereinten Nationen, Ashraf Jehangir Qazi, soll bereits in den nächsten Tagen in Bagdad eintreffen. Aus Sicherheitsgründen wird Qazi seinen Posten zunächst jedoch nur mit einem kleinen Mitarbeiterstab antreten. Erstmals seit Oktober erhält die Uno damit wieder eine Präsenz im Irak: Das Personal war damals nach einer Reihe von Anschlägen abgezogen worden, denen am 19. August auch Qazis Vorgänger Sergio Vieira de Mello zum Opfer gefallen war.

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