Naher Osten Hubschrauber schießen auf Palästinenser

Während in Paris auf höchster Ebene um ein Ende der blutigen Unruhen verhandelt wird, scheint in den palästinensischen Autonomiegebieten die Situation zu eskalieren. Israelische Hubschrauber schossen auf Demonstranten.


Aufgebrachte Stimmung in der Westbank
AFP

Aufgebrachte Stimmung in der Westbank

Gaza/Paris - Im Gazastreifen griffen nach Augenzeugenberichten Kampfhubschrauber mit Raketen protestierende Palästinenser an. Ein Mann sei bei der Attacke in der Stadt Netzarim getötet worden, bestätigten Mediziner.

Seit der israelische Oppositionsführer Ariel Scharon mit seinem Besuch des Tempelbergs in Jerusalem am vergangenen Donnerstag die Unruhen ausgelöst hat, sind nach palästinensischen Angaben mindestens 65 Menschen ums Leben gekommen und weit über tausend verletzt worden.

Hunderttausende von Palästinensern nahmen in Gaza und dem Gaza-Streifen an Beisetzungen der am Vortag Getöteten teil und schworen Rache. Die radikalislamische Hamas-Bewegung erklärte in einem Flugblatt diesen Freitag zum "Tag des Zorns" und rief zu noch massiveren Protestaktionen gegen Israel nach den Freitagsgebeten auf.

In Paris laufen die Vermittlungsbemühungen auf Hochtouren. Palästinenserpräsident Jassir Arafat und der israelische Ministerpräsident Ehud Barak kamen jeweils zu getrennten Gesprächen mit dem französischen Präsidenten Jacques Chirac und mit US-Außenministerin Madeleine Albright zusammen. Für ein von US-Seite noch am Nachmittag erwartetes Dreiertreffen Albright-Arafat-Barak hatte Arafat als Vorbedingung aber die Einsetzung einer internationalen Untersuchungskommission und Sicherheitsgarantien für die palästinensische Zivilbevölkerung verlangt.

Ehud Barak und Jacques Chirac in Paris
AP

Ehud Barak und Jacques Chirac in Paris

In deutlichen Worten machte Barak die Palästinenserbehörden und Arafat persönlich für den jüngsten Ausbruch der Gewalt in der Region verantwortlich, zeigte sich allerdings zu einem Gespräch mit dem Palästinenserchef bereit. "Alles, was wir brauchen, ist eine klare Anordnung Arafats an seine Milizen und an seine Polizei, mit dem Schießen aufzuhören, und alles wird sofort ruhig sein", sagte Barak nach der Unterredung mit Chirac. "Wir sind bereit, die Gewalt zu beenden." Die palästinensischen Führer müssten sich aber entscheiden, ob sie versuchen wollten, zu einer Friedenslösung zu gelangen, oder "ob sie die Region in eine Sackgasse führen, an deren Ende die Verschlechterung und sogar die Konfrontation stehen würde".

Neben Albright und Chirac schaltete sich auch UN-Generalsekretär Kofi Annan in die Vermittlungen ein. "Ich hoffe, dass wir am Ende dieses Tages zu einer entsprechenden Verständigung kommen", sagte Annan vor seinen Gesprächen mit Arafat und Barak.



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