Nahost Al-Qaida-Bekenntnis zu Angriff auf Israel?

Hinter den Raketenangriffen auf ein Wohngebiet hatte Israel zunächst radikale Palästinenser vermutet. Möglicherweise ein Irrtum – laut einem Bekennerschreiben im Internet könnte die Terrorgruppe al-Qaida hinter dem Angriff stecken.


Kairo - Die Gruppe habe in den vergangenen Tagen "einen neuen Angriff gegen den jüdischen Staat" unternommen und vom Libanon aus zehn Raketen in den Norden Israels abgefeuert, hieß es auf einer Web-Site, auf der al-Qaida im Irak schon mehrfach Erklärungen veröffentlicht hat. Sollte die Erklärung authentisch sein, wäre dies das erste Bekenntnis von al-Qaida, vom Libanon aus Israel anzugreifen.

Ein hochrangiger israelischer Sicherheitsvertreter mahnte jedoch zu Skepsis. "Damit das der Wahrheit entspricht, müsste al-Qaida, eine erbitterte anti-schiitische Gruppe, das Gebiet der Hisbollah - einer virulenten Schiiten-Gruppe - unterwandert haben, und zwar so stark, dass sie selbstständig Raketen-Salven abfeuern kann", urteilte er. "Dieses Bekenntnis sollte mit extremen Misstrauen betrachtet werden."

In einem Wohngebiet der israelischen Stadt Kirjat Schemona nahe der libanesischen Grenze waren am Dienstag drei Raketen eingeschlagen. Israel machte radikale Palästinenser dafür verantwortlich und griff eine Stellung von Guerillas der Volksfront für die Befreiung Palästinas Generalkommando (PFLP-GC) im Libanon an. Sowohl die PFLP-GC als auch weitere Extremistengruppen wiesen eine Beteiligung an dem Angriff zurück.

Der Leiter des israelischen Militärgeheimdienstes, Generalmajor Aharon Seevi-Farkasch, äußerte sich nicht direkt zu der al-Qaida-Erklärung, wollte ihre Echtheit aber nicht ausschließen. Das Terrornetzwerk orientiere sich inzwischen in Richtung Israel, sagte er in einem Interview des Fernsehsenders Kanal 10. Al-Qaida richte seinen Fokus auch auf Syrien, Ägypten, Jordanien und die palästinensische Autonomiebehörde.



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