Nahost Blutige Kämpfe zwischen Hamas und Fatah

Die Waffenruhe zwischen den Palästinenserorganisationen Hamas und Fatah wird immer brüchiger: Bei einer Schießerei in Gaza wurde ein Hamas-Kämpfer getötet, es gab mehrere Verletzte. Unterdessen bekräftigten die USA ihre Unterstützung für Palästinenserpräsident Abbas.


Gaza/Tel Aviv - Die Schießerei ereignete sich Rundfunkberichten zufolge in der Nähe eines Krankenhauses in der Stadt Gaza. Acht Palästinenser seien verletzt worden. Erst gestern Abend hatte bei einem Schusswechsel im Flüchtlingslager Dschabalia ein Mitglied der von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas geführten Fatah tödliche Verletzungen erlitten.

Ungeachtet der andauernden Gewalt wollen beide Seiten einen weiteren Anlauf zur Bildung einer Regierung der nationalen Einheit unternehmen. Das kündigten Abbas und die Hamas von Ministerpräsident Ismail Hanija an. Eine Einheitsregierung sei für die Palästinenser die beste Lösung, hatte Abbas gestern in Ramallah bei einem Treffen mit dem britischen Premierminister Tony Blair gesagt. Hanija kündigte für heute eine Rede an, in der er seine Antwort auf die Neuwahl-Initiative von Abbas geben will.

Die US-Regierung sagte Abbas ihre Unterstützung bei der Abwehr eines drohenden Bürgerkrieges zu. "Wir unterstützen Präsident Abbas bei seinen Bemühungen, aus der derzeitigen Sackgasse herauszukommen", sagte Außenamtssprecher Sean McCormack in Washington. Der Palästinenserpräsident habe verstanden, dass sein Volk ein Ende der derzeitigen Situation wünsche. Abbas hatte am Samstag zu vorgezogenen Neuwahlen von Präsident und Parlament aufgerufen - ein Schritt, der von der regierenden Hamas als nicht rechtmäßig abgelehnt wird. Nach der Rede des Präsidenten hatten sich die gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen seiner Fatah-Organisation und der Hamas weiter verschärft.

Er sei kein Experte für die palästinensische Verfassung, sagte McCormack weiter, aber seiner Meinung nach sei das Vorgehen von Abbas nicht rechtswidrig. Es sei zwar nicht ausdrücklich in der Verfassung erwähnt, aber auch nicht verboten, dass der Präsident Neuwahlen vorschlage. Diese offene Frage müssten aber die Palästinenser klären. Eine Sprecherin des Weißen Hauses hatte bereits am Samstag erklärt, die USA hofften, dass Neuwahlen der Gewalt ein Ende setzen und zur Bildung einer palästinensischen Regierung beitragen würden.

Unterdessen töteten israelische Soldaten bei einem Militäreinsatz im Westjordanland am frühen Dienstagmorgen einen Palästinenser. Wie israelische Medien berichteten, wollten die Soldaten in Nablus drei Mitglieder der Al-Aksa-Märtyrerbrigaden, des militärischen Arms der Fatah, festnehmen. Als die Männer flüchteten, hätten die Soldaten das Feuer eröffnet, hieß es. Eine Sprecherin der israelischen Armee bestätigte den Vorfall zunächst nicht, kündigte aber an, die Berichte zu prüfen.

hen/dpa/AP



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