Nahost Blutige Zusammenstöße in Palästinensergebieten

Der Angriff wurde mit Panzern und Kampfhubschraubern unterstützt: Bei den blutigsten Zusammenstößen in den Palästinensergebieten seit vier Monaten haben israelische Soldaten in der Nacht zum Mittwoch 14 Palästinenser getötet. Mehr als 50 Menschen wurden verletzt.


Ramallah/Gaza/Jerusalem - Ein Berater von Palästinenserpräsident Jassir Arafat warf Israel daraufhin vor, die Lage in den USA nach den Terroranschlägen von New York und Washington "zu einem Massaker an den Palästinensern auszunützen". Unter dem Eindruck der Ereignisse in den USA forderte Israels Außenminister Schimon Peres Arafat auf, "die Welt des Terrorismus" zu verlassen.

In Israel, das am Mittwoch wegen der Anschläge in den USA Staatstrauer ausgerufen hatte, kam der Flugverkehr fast völlig zum Erliegen. Die Regierung hatte unter dem Eindruck der Anschläge in den USA den Luftraum über Israel und den Palästinensergebieten bis Donnerstag für die Zivilluftfahrt gesperrt. Auch die Grenzen nach Ägypten und Jordanien wurden geschlossen. Arafat hatte den Anschlag auf das World Trade Center am Dienstag als "ungeheuerlich" verurteilt. Er sagte seine geplante Reise zur syrischen Führung in Damaskus ab.

Panzerangriff auf Dschenin

Die Palästinensergebiete erlebten am Mittwoch die blutigsten Zusammenstöße seit mehr als vier Monaten. Panzereinheiten der Armee drangen am frühen Morgen in die autonome Stadt Dschenin vor und zerstörten eine Polizeistation. Bei bewaffneten Zusammenstößen zwischen der israelischen Armee und Palästinensern bei Dschenin und den Dörfern Arabeh und Tanun wurden neun Palästinenser getötet. Beim Raketenbeschuss eines Wohnhauses wurden nach palästinensischen Angaben drei Menschen getötet, unter ihnen eine Neunjährige. Bei Chan Junis im Süden des Gazastreifens wurden bei Gefechten zwischen israelischen Soldaten und militanten Palästinensern zwei Palästinenser erschossen.

Prominente Palästinenser versuchten am Mittwoch die Freudenbekundungen zahlreicher Palästinenser nach den Terroranschlägen in den USA herunterzuspielen. Die Abgeordnete Hannan Aschrawi sagte, die Demonstranten seien nicht repräsentativ für das palästinensische Volk.

Israel stand am Mittwoch ganz unter dem Eindruck der Terroranschläge in den USA. Das Außenministerium in Jerusalem gab inzwischen bekannt, dass mehrere tausend Israelis in New York vermisst werden. Die Telefonverbindungen zwischen Israel und New York sowie Washington sind seit Dienstag immer wieder unterbrochen. Zwei Israelis waren unter den Passagieren der Todesmaschinen, die von mutmaßlichen Terroristen in die Türme des World Trade Centers geflogen wurden.



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