Nahost Blutiger Bruderkampf im Gaza-Streifen

Heute schon wieder mindestens 14 Tote, seit Sonntag 41 - der Gaza-Streifen wird von der bisher schlimmsten Welle innerpalästinensischer Gewalt heimgesucht. Israel griff heute in die Kämpfe ein und tötete fünf mutmaßliche Hamas-Mitglieder.


Gaza/Berlin - Insgesamt 14 Menschen starben bei erneuten Kämpfen zwischen den rivalisierenden Palästinenserorganisationen Hamas und Fatah. Seit Beginn der Eskalation am Sonntag wurden damit 41 Palästinenser getötet.

Fatah-Kämpfer im Gaza-Streifen: Bisher keine Beruhigung
REUTERS

Fatah-Kämpfer im Gaza-Streifen: Bisher keine Beruhigung

Hamas und Fatah liefern sich einen blutigen Machtkampf, der zwei Monate nach der Bildung einer Einheitsregierung wieder aufgeflammt ist. Mehrere Aufrufe zu einer Waffenruhe führten bisher nicht zur Beruhigung. Die Hamas hatte die Kämpfe am frühen Morgen mit einem Angriff auf das Haus eines Sicherheitschefs der gegnerischen Fatah in Gaza fortgesetzt. Allein dabei wurden vier Wachleute getötet.

Am Vormittag gab es in mehreren Stadtvierteln Gazas Gefechte, bei denen mehrere Männer getötet wurden. Dabei wurde auch das Büro des Palästinenserpräsidenten Mahmud Abbas (Fatah) beschossen, mehrere Menschen erlitten Verletzungen. Fünf festgenommene Hamas-Leute kamen in Gaza in einem Polizeifahrzeug ums Leben, als dieses von Hamas-Milizionären überfallen wurde. Die Angreifer seien davon ausgegangen, dass Fatah-Mitglieder in dem Wagen saßen, teilte die Polizei mit.

Militante Palästinenser feuerten am Mittwoch erneut Raketen auf das Grenzgebiet Israels zum Gaza-Streifen ab. Dabei wurden mindestens 21 Israelis verletzt, 14 weitere wurden wegen Schocks behandelt. Wegen des anhaltenden Raketenbeschusses der israelischen Grenzstadt Sderot durch militante Palästinenser verließen heute Hunderte Einwohner die Stadt im Rahmen einer Evakuierungsaktion. Nach Angaben der Armee sind seit gestern mehr als 30 Raketen abgefeuert worden, von denen gut ein Drittel in Sderot einschlug.

Israels Luftwaffe greift an

Als Reaktion auf die Raketenangriffe attackierte die israelische Luftwaffe am Nachmittag ein Trainingslager der Hamas in Rafah im südlichen Gaza-Streifen. Dabei wurden mindestens fünf Mitglieder der Hamas-Polizeimiliz getötet und sieben weitere zum Teil schwer verletzt. Eine Armeesprecherin bestätigte, es handele sich um den ersten israelischen Luftangriff dieser Art seit Vereinbarung einer Waffenruhe für den Gaza-Streifen im vergangenen November. Erstmals habe man wieder ein Gebäude der Hamas angegriffen.

Der israelische Ministerpräsident Ehud Olmert wollte auf einer Dringlichkeitssitzung der Regierung über das weitere Vorgehen beraten. Seine Sprecherin sagte, Israel wolle sich von Hamas nicht in die internen Kämpfe der Palästinenser hereinziehen lassen. Man werde jedoch die israelischen Bürger jederzeit schützen. Es werde aber weitere israelische Angriffe im Gaza-Streifen geben. Der jordanische König Abdullah II. forderte von Olmert ein Friedenszeichen. Erst dann wolle er nach Israel reisen, sagte der Monarch der jordanischen Tageszeitung "Alarab Alyawm".

Die deutsche EU-Ratspräsidentschaft äußerte sich "zutiefst besorgt" über die Eskalation der Gewalt. In einer heute verbreiteten Erklärung rief Berlin die Verantwortlichen auf allen Seiten zum "sofortigen Gewaltverzicht, zur Wiederherstellung der Waffenruhe und zur Rückkehr zum Dialog" auf. Zugleich verurteilte die Präsidentschaft aufs Schärfste die Angriffe mit Kassam-Rakten auf israelisches Hoheitsgebiet aus dem Gaza-Streifen.

asc/dpa



© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.