Nahost Bulldozer reißen Palästinenser- Gebäude ein

Israelische Truppenverbände sind in der Nacht nach Ramallah eingerückt. Erneut nahmen die Israelis das Hauptquartier von Palästinenserchef Jassir Arafat unter Beschuss. Berichte, wonach Soldaten in Arafats Räume vordrangen, wurden dementiert.

Jerusalem - Die Operation soll nach Angaben des US-Senders CNN mit mehr als hundert Panzern und gepanzerten Fahrzeugen gefahren worden sein. Der Amtssitz von Palästinenserpräsident Jassir Arafat sei umstellt worden. Arafat soll sich zur Zeit des Aufmarsches in seinem Hauptquartier aufgehalten haben. Es sei zu heftigen Schießereien gekommen, hieß es bei CNN.

Zunächst hieß es, israelische Einheiten hätten das Hauptquartier Arafats gestürmt. Dies wurde sowohl von israelischer wie auch von palästinensischer Seite dementiert. Das israelische Militär teilte mit, Ziel der Operation sei es, die terroristische Infrastruktur in der Stadt zu zerschlagen und militante Palästinenser festzunehmen, berichtete CNN. Zudem würde nach Bombenfabriken und versteckten Waffen gesucht.

Nach palästinensischen Angaben wurden mehrere Gebäude des Amtssitzes von Arafat zerstört. Die Palästinenser sprachen von einer neuen Belagerung des palästinensischen Verwaltungszentrums. Die israelischen Streitkräfte hatten Ramallah erst vor fünf Tagen verlassen. Ramallah war auch vom 29. März bis zum 2. Mai besetzt gehalten worden.

Kampfhubschrauber kreisen über Ramallah

Der arabische Nachrichtensender al-Dschasira meldete, ein Sprecher der palästinensischen Autonomiebehörde habe berichtet, Ramallah sei von "Tausenden" Soldaten besetzt worden. Ziel der Operation sei es nach seinen Worten, die palästinensische Autonomieverwaltung zu zerstören. Die Häuser von "gesuchten" Palästinensern seien umstellt worden.

Wie der Fernsehsender CNN und palästinensische Augenzeugen weiter berichteten, drangen die israelischen Kräfte von allen Seiten in die Stadt vor. Kampfhubschrauber kreisten über Ramallah.

Heftige Feuergefechte wurden von al-Dschasira auch aus dem Flüchtlingslager al-Amari gemeldet, das nun unter voller Kontrolle der Israelis sei. Der Einmarsch der Israelis dort begann gegen 4 Uhr Ortszeit. Das Flüchtlingslager al-Amari grenzt an Ramallah an. Soldaten zogen dort von Haus zu Haus. Ein Palästinenser wurde nach Angaben von Ärzten getötet. Auch im Vorort Beitunija seien israelische Truppen eingerückt, sagten Augenzeugen.

Der israelische Vorstoß wird als Reaktion gesehen auf einen palästinensischen Selbstmordattentäter, der in Megiddo 17 Israelis mit in den Tod gerissen hatte.

Scharon in Washington

Der israelische Ministerpräsident Ariel Scharon befindet sich zurzeit in den USA. In Washington wird er mit US-Präsident George W. Bush zusammenkommen, um über den Nahost-Konflikt zu beraten. Das Weiße Haus lehnte zunächst eine Stellungnahme zu den jüngsten Angriffen der Israelis ab. US-Regierungskreise erklärten, sie seien nicht vorher über eine Operation informiert worden.

Arafat bildet Kabinett um

Nur Stunden vor dem israelischen Einmarsch hatte Arafat das Kabinett der palästinensischen Autonomiebehörde von 31 Minister auf 21 verkleinert. Informationsminister Jassir Abd Rabbuh teilte am Sonntag in einer Pressekonferenz in Ramallah mit, einige Ministerien seien zusammengelegt worden. 17 bisherige Minister bleiben im neuen Kabinett.

Es sei erstmals der Posten eines Innenministers geschaffen worden. In den acht Jahren seit Gründung der Autonomieverwaltung hatte Arafat als Innenminister insgesamt zwölf Sicherheitsbehörden kontrolliert. Der neue Innenminister soll nach Informationen des britischen Senders BBC eine grundlegende Umstrukturierung der Sicherheitskräfte umsetzen.

Nach Rabbuhs Worten soll das neue Kabinett unter anderem Wahlen vorbereiten. Einen Termin für die Parlaments- und Präsidentenwahlen nannte er jedoch nicht.

Sicherheitskräfte der palästinensischen Autonomiebehörde nahmen unterdessen am Sonntag im Gaza-Streifen ein ranghohes Mitglied der militanten Palästinensergruppe Islamischer Dschihad fest. Laut al-Dschasira wurde auch noch ein weiteres führendes Dschihad-Mitglied, Mohammed Hindy, und einige andere Verdächtige von palästinensischen Sicherheitskräften festgenommen.

Schwere Explosion in Gaza

Bei einer Explosion in einem Haus im palästinensischen Flüchtlingslager Dschabalija sind am frühen Montagmorgen zahlreiche Menschen verletzt worden. Aus Sicherheitskreisen verlautete, etwa 40 Palästinenser seien verletzt worden, acht von ihnen schwer. Über die Ursache über die Explosion in dem Haus eines Geheimdienstmitarbeiters wurden keine Angaben gemacht. Insgesamt seien durch die Explosion etwa acht Häuser in Mitleidenschaft gezogen worden. Einwohner erklärten, vor etwa zwei Wochen seien ganz in der Nähe mindestens zwei Palästinenser getötet worden, als sie eine Bombe anfertigen wollten.

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