Nahost-Gipfel Abbas und Scharon vereinbaren Waffenruhe

Es könnte der erste Schritt zum Frieden im Nahen Osten sein. Israels Premier Scharon und Palästinenser-Präsident Abbas haben sich auf einen Waffenstillstand verständigt. "Wir haben einen Stopp aller Gewalttaten vereinbart", sagte Abbas im ägyptischen Scharm al-Scheich. "Dies ist der Beginn einer neuen Ära." Die militante Hamas fühlt sich an die Erklärung allerdings nicht gebunden.



Scharm al-Scheich - "Die Palästinenser werden die Gewalt gegen Israelis überall stoppen, Israel wird die Militäraktionen gegen Palästinenser beenden", sagte Ariel Scharon nach dem Gipfeltreffen. Er hoffe, dass Abbas die Palästinenser zu einem unabhängigen Staat führen werde.

Scharon rief dazu auf, die Gelegenheit für eine friedliche Einigung nicht verstreichen zu lassen. Er beteuerte die ehrliche Absicht Israels, den Palästinensern ein Leben in Freiheit und Unabhängigkeit zu ermöglichen. Beide Seiten müssten ein "Licht der Hoffnung" in der Region leuchten lassen. "Lasst uns die Hände reichen und ein neues Klima in unserer Region schaffen", sagte Scharon. Er warnte davor, dass Extremisten die neue Hoffnung mit Gewalt zerstören könnten.

Scharon äußerte seine Hoffnung auf einen palästinensischen Staat an der Seite Israels. Außerdem lud er Abbas auf sein Anwesen in Südisrael ein, wie ein Mitarbeiter des israelischen Außenministeriums mitteilte. Abbas habe die Einladung angenommen.

Heute sei eine neue Chance für den Frieden entstanden, sagte Abbas. "Wir haben uns mit Ministerpräsident Ariel Scharon auf ein Ende aller Gewalt gegen Israelis und Palästinenser geeinigt, ganz gleich, wo sie sich aufhalten", erlärte der Palästinenser-Präsident.

Seit seiner Wahl am 9. Januar hat er mit radikalen Palästinensern einen faktischen Waffenstillstand ausgehandelt und Sicherheitskräfte in den Gaza-Streifen geschickt, um Angriffe auf israelische Siedlungen zu unterbinden. Die Gewalt in der Region ist seitdem deutlich zurückgegangen. Als Gesten des guten Willens plant Israel eine Entlassung von palästinensischen Gefangenen.

Die militante Hamas-Bewegung erklärte allerdings, sie fühle sich nicht an die heutige Ankündigung gebunden. Was Abbas gesagt habe, sei nicht das Ergebnis eines innerpalästinensischen Dialogs, sagte Hamas-Sprecher Osama Hamdan im Libanon der Nachrichtenagentur AP. Hamas-Sprecher Muschir al-Masri sagte vor Journalisten in Gaza, die Ankündigung über ein Ende der Gewalt spiegele nur die Position der Palästinensischen Autonomiebehörde wider, nicht jedoch anderer Fraktionen einschließlich Hamas.

"Die Position von Hamas ist immer noch klar: Man kann dem zionistischen Feind ohne eine echte Gegenleistung keine Waffenruhe anbieten", sagte Masri. Man werde die Ruhe nur dann einhalten, wenn Israel sich zu einer Freilassung aller etwa 8000 palästinensischen Häftlinge verpflichte. Die von Israel angekündigte Freilassung von 900 Gefangenen innerhalb von drei Monaten sei nicht ausreichend. "Es ist wirklich schade, dass das Gipfeltreffen nicht das erreicht hat, was sich unser Volk erhofft hatte", sagte der Hamas-Sprecher.

Der gastgebende ägyptische Präsident Husni Mubarak sagte, beide Seiten zeigten den ernsten Wunsch, wahrhaft zusammenzuarbeiten. "Die Mission ist nicht unmöglich. Wenn der Weg auch lang ist, haben wir heute den ersten Schritt getan." Es gebe nun außerdem neue Hoffnung auf einen Frieden mit Syrien und dem Libanon. Die israelisch-syrischen Verhandlungen liegen seit Anfang 2000 auf Eis.

Jordanien und Ägypten schicken Botschafter nach Israel

Als weiteren Schritt zur Entspannung im Nahen Osten kündigten Äygpten und Jordanien nach Angaben von Al-Dschasira die Rückkehr ihrer Botschafter nach Israel an. Der jordanische Außenminister Hani al-Mulki sagte in einem Interview des Senders, er werde seiner Regierung vorschlagen, den Botschafter zurückzusenden. "Wir müssen klarstellen, dass wir die Beziehungen zu Israel nicht abgebrochen haben. Wir schicken nur die richtige Person in unsere Botschaft in Tel Aviv zurück", sagte al-Mulki.

Nach dem Beginn des Palästinenseraufstands im Herbst 2000 hatten beide Länder ihre Botschafter aus Israel zurückgerufen. Sie sind die einzigen arabischen Staaten, die einen Friedensvertrag mit Israel geschlossen haben.

Mehr lesen über
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.