Nahost Hamas droht Israel mit Rache

Palästinenser haben im Gaza-Streifen einen Außenposten der israelischen Besatzungstruppen angegriffen. Zuvor war in der Gegend ein Araberjunge erschossen worden.


Aufgebrachte Palästinenser beklagen den Tod des elf-jährigen Jungen, der von israelischen Soldaten erschossen wurde
AFP

Aufgebrachte Palästinenser beklagen den Tod des elf-jährigen Jungen, der von israelischen Soldaten erschossen wurde

Rafah - Die israelische Armee teilte mit, auf den Militärposten an der Grenze zu Ägypten sowie auf einen weiteren Militärstandort im Gaza-Streifen hätten Palästinenser Schüsse sowie über 60 Granaten abgefeuert. Die radikale Palästinenser-Organisation Hamas drohte mit Racheanschlägen für den Tod des Palästinenserjungen.

In Rafah, an der Grenze zu Ägypten, war der elf Jahre alte Chalil Mughrabi am Samstag von israelischen Soldaten erschossen worden. Der kleine Chalil habe mit mehreren Dutzend gleichaltriger Kinder gespielt, als die Israelis ihn töteten, berichteten palästinensische Augenzeugen.

Selbstmordanschläge als Vergeltung

Die Armee hingegen teilte mit, ihre Soldaten seien mit Benzinbomben und Handgranaten angegriffen worden und hätten sich gewehrt. Beim Begräbnis des Jungen fuhr die Hamas mit Autos auf und drohte über Lautsprecher mit Vergeltung. Es stünden zehn Freiwillige für Selbstmordanschläge bereit.

In Hebron wurde nach Angaben der Verwaltung des palästinensischen Teils der Stadt das Hamas-Mitglied Ajub Scharwai verschleppt. Die Täter seien israelische Soldaten in Zivil gewesen. Scharwais Frau berichtete, sie habe mit ihrem Mann im Auto gesessen, als er mit vorgehaltener Waffe entführt worden sei. Israel hält zwar an der Mitte Juni geschlossenen Waffenruhe fest, die die USA vermittelt haben, geht nun aber gezielt gegen mutmaßliche Drahtzieher des Aufstandes der Palästinenser für einen eigenen Staat vor. Seit Ende September starben über 600 Menschen.

Die anhaltende Gewalt hat bislang alle Aussichten auf die Rückkehr zu Verhandlungen über den endgültigen Status der besetzten Gebiete zunichte gemacht, die zu großen Teilen als Übergangslösung von den Palästinensern selbst verwaltet werden. Der Weg zurück an den Verhandlungstisch ist in einem Plan des früheren US-Senators George Mitchell festgelegt, den beide Seiten grundsätzlich akzeptiert haben. Allerdings besteht Israel auf einer Woche absoluter Ruhe in den besetzten Gebieten, bevor es mit der Realisierung beginnen will.



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