Nahost Hamas-Politiker spricht von Holocaust an Palästinensern

Die Hamas ist auf Provokationskurs: Ein führender Politiker der radikal-islamischen Palästinenserorganisation hat den von der EU und den USA verhängten Finanzboykott als "einen wirklichen Holocaust" bezeichnet.


Damaskus - Das palästinensische Volk werde für die demokratische Wahl seiner Regierung bestraft, sagte der im syrischen Exil lebende Politbürochef Chaled Meschaal heute vor Studenten in Damaskus. Das palästinensische Volk werde bedrängt und "ausgehungert". Es handle sich um "einen wirklichen Holocaust".

Meschaal lobte eine Reihe arabischer und islamischer Länder, die sich seinen Worten nach dem Boykott widersetzten, darunter Syrien, Iran, Saudi- Arabien, Katar, Kuwait, Jemen, Sudan und Libyen.

Israel hatte nach dem überwältigenden Wahlsieg der Hamas die Steuerüberweisungen an die Palästinenserbehörde eingestellt. Die EU und die USA hatten Anfang April die Finanzhilfen für die Palästinensergebiete bis auf weiteres ausgesetzt, weil die von der Hamas geführte neue Palästinenserregierung sich nach wie vor nicht vom Terrorismus losgesagt hat und die Anerkennung Israels verweigert.

Der Begriff Holocaust steht für den systematischen Völkermord an rund sechs Millionen Juden durch die Nazis.

Chirac fordert "Weltbank-Fonds für Palästina"

Angesichts des Finanzboykotts hat der französische Präsident Jacques Chirac am Mittwoch Israel und das Nahost-Quartett schriftlich zur gemeinsamen Gründung eines "Weltbank-Fonds für Palästina" aufgerufen. Man müsse eine "schwere Destabilisierung" der Palästinensergebiete vermieden, schrieb Chirac dem Elyséepalast zufolge. Die Einrichtung des Fonds solle bereits am 9. Mai beim Treffen des Quartetts beschlossen werden. Aus dem Topf sollen die bis zu 160.000 Angestellten der Selbstverwaltungsbehörden bezahlt werden. "Die internationale Gemeinschaft trägt eine politische Verantwortung, der sie sich nicht entziehen darf", schrieb Chirac.

hen/dpa



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