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10. November 2006, 23:25 Uhr

Nahost

Hamas-Regierungschef spricht von Rücktritt

Um die internationale Isolierung der Palästinenser zu überwinden, kündigte Regierungschef Hanija seine Bereitschaft zum Rücktritt an. Aus Regierungskreisen gibt es bereits Gerüchte über einen Nachfolgekandidaten.

Gaza - Beim Freitagsgebet in einer Moschee in Gaza deutete der palästinensische Ministerpräsident Ismail Hanija seinen Rückzug aus dem Amt an. Er denke nicht, dass die westlichen Geldgeber eine Regierung unter seiner Führung akzeptierten, auch wenn die Fatah sich an der Regierung beteiligen würde, sagte der Politiker der radikalislamischen Hamas. "Wenn wir wählen müssen zwischen der Belagerung und mir, müssen wir uns für eine Aufhebung der Belagerung und ein Ende des Leidens entscheiden."

Die rivalisierenden Palästinensergruppen Hamas und Fatah verhandeln derzeit über die Bildung einer gemeinsamen Regierung der nationalen Einheit. Damit soll die internationale Isolierung und die daraus folgende Finanzkrise überwunden werden, die auf die Bildung der Regierung Hanija im März folgte.

Am Donnerstagabend hatte der bei den Verhandlungen vermittelnde palästinensische Abgeordnete Mustafa Barghuti gesagt, es gebe eine Einigung auf einen neuen Ministerpräsidenten. Hamas-Sprecher Fausi Barhum konnte dies nicht bestätigen. Die Hamas habe einen Ministerpräsidenten vorgeschlagen, es könne aber noch nicht von einer Einigung gesprochen werden. "Der Name wird zur rechten Zeit bekannt gegeben", sagte er. Der Sprecher von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas, Nabil Abu Rudeina, sprach von einem "sehr positiven Diskussionsklima". Er denke, die Verhandlungen befänden sich in der abschließenden Phase.

agö/afp

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