Nahost IAEA prüft neue Hinweise auf Irans Atomprogramm

Der Konflikt um Irans Nuklearprogramm spitzt sich zu. Wenige Tage, bevor die Internationale Atomenergiebehörde einen neuen Bericht vorlegen will, werden Details zu angeblichen Beweisen bekannt, dass Teheran an Kernwaffen arbeitet. Es geht unter anderem um das Computermodell eines Sprengkopfes.

Hamburg - Am kommenden Donnerstag will die Internationale Atomenergiebehörde IAEA in Wien ihren aktuellen Bericht zum Stand des iranischen Atomprogramms vorlegen. Die darin enthaltenen Feststellungen seien von großer Bedeutung für das weitere Vorgehen, berichten israelische Medien. Die Nachrichtenagentur AP will aus Diplomatenkreisen erfahren haben, dass es neue Beweise für die Existenz eines Atomwaffenprogramms gibt. Bislang nicht veröffentlichte Geheimdienstinformationen sollen ans Licht kommen.

Das Material soll unter anderem Hinweise darauf enthalten, dass Iran ein Computermodell eines Atomsprengkopfes entwickelt hat. Außerdem sollen Satellitenbilder gezeigt werden, auf denen ein großer Stahlcontainer zu sehen sein soll, der für Sprengstoffexperimente im Zusammenhang mit dem Atombombenprogramm genutzt worden sein soll. Die iranische Regierung widersprach am Abend den Anschuldigungen: Diese seien frei erfunden, sagte der iranische Außenminister Ali Akbar Salehi. Iran streitet ab, Atomwaffen zu erforschen und besteht darauf, dass das Atomprogramm ausschließlich friedlichen Zwecken diene. Hinter den Vorwürfen würden die USA stecken, sagte Salehi. Der IAEA warf er vor, ihre politische Unabhängigkeit aufs Spiel zu setzen.

Ein Militärschlag Israels und anderer Staaten wird nach Einschätzung des israelischen Präsidenten Schimon Peres immer wahrscheinlicher. "Die Geheimdienste aller Länder wissen, dass die Zeit abläuft, und warnen ihre Anführer", zitierte die Zeitung "Haaretz" am Samstag aus einem Fernsehinterview mit dem Staatschef. Iran könne schon binnen der nächsten sechs Monate in den Besitz einer Atombombe gelangen, sagte Peres. Israel und der Westen vermuten seit langem, dass Iran unter dem Deckmantel eines zivilen Atomprogramms auch Atombomben entwickelt. Iran hat das stets bestritten und für den Fall eines Angriffs eine "apokalyptische" Antwort angedroht.

Peres betonte zugleich, die Welt sei nun gegenüber Israel in der Pflicht, die iranischen Atombestrebungen zu stoppen. "In der noch verbleibenden Zeit müssen wir die anderen Staaten der Welt zum Handeln drängen und ihnen sagen, dass es nun Zeit ist, die uns gegebenen Versprechen einzulösen, ihre Pflicht entweder durch harsche Sanktionen oder durch militärisches Handeln zu erfüllen", sagte der 88-Jährige.

In Israel wird schon seit mehr als einer Woche eine intensive Debatte über das Für und Wider eines Militärschlags gegen Iran geführt. Die Bevölkerung ist laut einer Umfrage gespalten. Die Angst, dass das Regime in Teheran, das Israel feindlich gegenübersteht, Atomwaffen erlangen könnte, hält sich demnach die Waage mit der Furcht vor unkontrollierbaren Folgen eines militärischen Vorgehens, das einen Flächenbrand in der gesamten Region auslösen könnte.

jjc/dapd/dpa
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