Nahost Israel beschießt Gebäude von Arafats Leibgarde

Zwei israelische Kampfhubschrauber haben ein Gebäude von Jassir Arafats Leibgarde "Force 17" im Gazastreifen zerstört. Mindestens vier Palästinenser wurden verletzt.


Drei Kugeln im Bauch: Der sechs Monate alte Noor Eldeen Odeh wurde offensichtlich von israelischen Soldaten angeschossen
REUTERS

Drei Kugeln im Bauch: Der sechs Monate alte Noor Eldeen Odeh wurde offensichtlich von israelischen Soldaten angeschossen

Gaza - An dem zur Zeit des Angriffs leer stehenden Gebäude im Süden der Stadt Chan Junis entstand schwerer Schaden. Es war bereits vor einigen Monaten von israelischen Hubschraubern beschossen worden. Von Seiten der israelischen Armee verlautete, der Angriff sei eine Vergeltung für den Beschuss jüdischer Siedlungen im Gazastreifen mit Mörsergranaten.

Bei zwei verschiedenen Zwischenfällen im Gazastreifen und im Westjordanland schossen israelische Soldaten nach palästinensischen Angaben zwei palästinensische Babys an. Nahe dem Flüchtlingslager Chan Junis hätten die Israelis auf ein Auto gefeuert und dabei einen drei Monate alten Jungen verletzt. Nach Berichten von Radio Israel wurde ein sechs Monate alter Junge von drei Kugeln getroffen, als israelische Soldaten an einer Straßensperre nahe der Stadt Nablus im Westjordanland auf ein Taxi schossen. Die israelische Armee äußerte sich zunächst nicht zu den Berichten.

Im Norden von Jerusalem wurden am Samstagabend zwei Israelis leicht verletzt, als Palästinenser auf einen israelischen Linienbus feuerten.

Der israelische Außenminister Schimon Peres sagte im israelischen Fernsehen, er werde "in naher Zukunft" Palästinenserpräsident Jassir Arafat treffen, um über einen Waffenstillstand zu sprechen. Es habe bereits Gespräche über dieses Thema mit der Palästinenserführung gegeben, fügte Peres hinzu.

Bereits am Freitag war ein neuer Vorschlag von Peres bekannt geworden, der auf einen möglichst raschen Waffenstillstand mit den Palästinensern abzielt. Danach sollen die autonomen Palästinenser-Gebiete in verschiedene Zonen aufgeteilt werden, um Abschnitt für Abschnitt Ruhe und Ordnung herzustellen.

Missglückter Mord

Verdeckt operierende israelische Elitesoldaten versuchten am Samstag vergeblich, einen palästinensischen Aktivisten der Fatah-Bewegung zu liquidieren. Wie Radio Israel unter Berufung auf palästinensische Angaben meldete, schossen vermummte Soldaten in einem Dorf bei Dschenin im Westjordanland auf den 26-jährigen Ahmed Mustafa Besharet und verletzten ihn an der Schulter. Israelische Kommandos machen seit geraumer Zeit gezielt Jagd auf vermutete Terroristen, um sie zu töten.

Auf einem Müllplatz bei Bethlehem wurde die Leiche eines 31-jährigen Mannes gefunden. Nach palästinensischen Angaben war der Mann am Freitag entführt und mit drei Schüssen in den Kopf getötet worden, weil er als Kollaborateur der Israelis verdächtigt wurde.



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