Nahost Israel erwägt Abzug aus weiteren Palästinenserstädten

Israels Verteidigungsminister Benjamin Ben-Elieser hat den Palästinensern das Ende der Besetzung von vier weiteren autonomen Städten in Aussicht gestellt. In der Nacht zu Montag hatten sich die israelischen Truppen bereits aus Betlehem und Beit Dschala zurückgezogen.


Israelische Panzer verlassen Bethlehem
AP

Israelische Panzer verlassen Bethlehem

Jerusalem - Bedingung dafür sei, dass die Palästinenser Anschläge auf israelische Ziele verhindern, sagte Ben-Elieser. Obwohl am Sonntag bei palästinensischen Selbstmordanschlägen im Norden des Landes fünf Israelis ums Leben gekommen waren, war die israelische Armee mit zweitägiger Verspätung aus den arabisch-christlichen Städten Betlehem und Beit Dschala abgerückt. Ben-Elieser fügte im Armeerundfunk hinzu, Israel habe kein Interesse am Verbleib in palästinensisch kontrollierten Gebieten oder am Sturz der Autonomiebehörde oder des Palästinenserpräsidenten Jassir Arafat.

Berichte über gewaltsame Zwischenfälle während des Abzugs der Armee gab es nicht. Tagelange Straßenkämpfe hatten aber in Betlehem ihre Spuren hinterlassen. Viele Geschäfte und Häuser waren beschädigt, Glassplitter lagen verstreut auf den Straßen. Israelische Medien berichteten, der israelische Ministerpräsident Ariel Scharon habe Washington mitgeteilt, er werde seine in zehn Tagen geplante US-Reise angesichts der angespannten Sicherheitslage in Nahost möglicherweise verschieben.

Arafat will am Freitag anlässlich einer Konferenz in Madrid mit dem israelischen Außenminister Schimon Peres zusammentreffen. Das Gespräch solle anlässlich einer Veranstaltung zum 10. Jahrestag der Madrid-Konferenz stattfinden, mit der 1991 der Nahost-Friedensprozess begonnen hatte, hieß es in einer Erklärung in Gaza. Von israelischer Seite gab es dafür keine Bestätigung.

Gedenkfeier zu Ehren Rabins

1994 erhielt Rabin gemeinsam mit Arafat den Friedensnobelpreis
DPA

1994 erhielt Rabin gemeinsam mit Arafat den Friedensnobelpreis

Derweil beging Israel den sechsten Jahrestag der Ermordung des früheren Ministerpräsidenten Jizchak Rabin. Scharon sagte während der Gedenkfeier am Grab Rabins, der "helle Horizont, den Rabin erreichen wollte, bleibt vage und in weiter Ferne". Rabin hatte sich gemeinsam mit Arafat und dem israelischen Außenminister um eine Friedenslösung zwischen beiden Völkern bemüht. Er war am 4. November 1995 am Ende einer Großkundgebung im Zentrum Tel Avivs von dem rechtsradikalen jüdischen Israeli Jigal Amir erschossen worden.

Arafat sagte dem US-amerikanischen Fernsehsender NBC, wäre Rabin noch am Leben, würde es bereits einen palästinensischen Staat geben. Zur Trauerfeier in Jerusalem, an der die engste Familie Rabins und die israelischen Spitzenvertreter von Politik und Militär teilnahmen, schickte Arafat einen Kranz.



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