Nahost Israel schießt auf syrischen Militärposten

Israelische Kampfflugzeuge haben syrische Truppen im ostlibanesischen Bekaa-Tal bombardiert. Dies war der erste Angriff seit 1996.


Wirkungslos: Flak-Geschütz der syrischen Armee in der Nähe der zerstörten Radarstation
AP

Wirkungslos: Flak-Geschütz der syrischen Armee in der Nähe der zerstörten Radarstation

Beirut - Wie aus libanesischen Sicherheitskreisen in Beirut verlautete, wurde die Radarstellung rund 35 Kilometer östlich von Beirut in der Nacht zum Montag von zwei Raketen getroffen. Die Station sei direkt zerstört worden. Mindestens drei syrische Soldaten seien dabei getötet worden, mehrere weitere wurden verletzt.

Die israelische Regierung bezeichnete den Luftangriff als Vergeltung für fortgesetzte Übergriffe der Untergrundorganisation Hisbollah. Diese hat auch nach dem Rückzug der israelischen Truppen aus dem Grenzstreifen im Süden Libanons im Mai vergangenen Jahres ihre Nadelstich-Attacken fortgesetzt.

Bei Angriffen in der umstrittenen Region der weiterhin von Israel kontrollierten Tschebaa-Höfe im Südlibanon wurden drei israelische Soldaten getötet, ebenso viele entführt und fünf verletzt. Zuletzt feuerten die Hisbollah-Milizionäre am vergangenen Samstag eine Rakete auf einen israelischen Panzer ab, wobei ein Soldat ums Leben kam. Israel hatte auch Syrien als "Schutzmacht" in der Region für den Vorfall verantwortlich gemacht. Syrien hat rund 35.000 Soldaten im Libanon stationiert.

Nach Angaben von Augenzeugen hatten die syrischen Soldaten die angreifenden Jets mit Flugabwehrkanonen beschossen. Aus dem Zielgebiet im von Syrien kontrollierten Bekaa-Tal stiegen Rauchsäulen und Flammen auf. Der Himmel sei vom Luftabwehrfeuer erleuchtet gewesen. Alle Flugzeuge kehrten jedoch nach Angaben eines israelischen Militärsprechers sicher zu ihrer Basis zurück.

Libanesischer Premier warnt vor Ausweitung des Konflikts

Der libanesische Premierminister Rafik Hariri verurteilte den Angriff noch in der Nacht als "gefährliche Aggression". Er warnte die israelische Regierung vor einer Ausweitung des Konflikts. An die internationale Gemeinschaft appellierte er, Anstrengungen zu unternehmen, um die "israelische Aggression gegen Libanon und Syrien zu stoppen".

Nach dem Angriff: Zerstörter syrischer Lkw
REUTERS

Nach dem Angriff: Zerstörter syrischer Lkw

Es war der erste israelische Angriff im Landesinneren Libanons seit mehr als einem Jahr. Die Region Baidar gilt als strategisch wichtig, weil von dort aus die Küste und das östliche Bekaa-Tal überblickt werden kann. Israel hatte zuletzt 1996 syrische Truppen angegriffen.

Israels Außenminister Schimon Peres hatte am Sonntag an die USA, die Vereinten Nationen und Frankreich appelliert, einer Eskalation im Libanon zuvorzukommen und einzugreifen. Der UN-Gesandte Staffan de Mistura sagte, der Hisbollah-Angriff sei ein klarer Verstoß gegen die Resolution 425, die das Ende der israelischen Besatzung im südlichen Libanon bestätigt.

Nahost-Konflikt erhält neue Dimension

Dem Angriff war eine Sondersitzung des israelischen Sicherheitskabinetts voraus gegangen. Israels Regierung erklärte anschließend, auch nach der Erfüllung einer Resolution des UN-Sicherheitsrates zum Abzug habe es im Norden Israels acht "terroristische Zwischenfälle" gegeben. "Trotz Israels Aufruf an Syrien, seinen Einfluss auf die Hisbollah geltend zu machen, hat Syrien keinen Finger gekrümmt", hieß es. Syrien zufolge sind die Angriffe der Hisbollah so lange gerechtfertigt, bis es ein umfassendes Friedensabkommen zwischen Israel, Syrien und dem Libanon gibt.

Mit dem Angriff auf die syrische Radarstellung erhält der Nahost-Konflikt eine neue Dimension und weitet sich auf Syrien als Schutzmacht Libanons aus. Die letzte große Konfrontation zwischen Israel und Syrien im Libanon reicht in das Jahr 1982 zurück. Damals zerstörte Israel während seiner Invasion alle syrischen Flugabwehrstellungen und drängte die syrischen Truppen nach Osten zurück. 1996 wurden erneut syrische Stellungen bei Beirut von israelischen Kampfhubschraubern beschossen, doch erklärte die Regierung damals, sie seien nicht das Hauptziel des Angriffs gewesen.



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