Nahost Israel setzt Offensive mit Luftangriffen fort

Israel fliegt auch heute wieder Luftangriffe im Gaza-Streifen. Gestern hatte es die schwersten Kämpfe seit Beginn der Offensive gegeben. Dabei kamen zwei Dutzend Menschen ums Leben.


Gaza - Nach dem ersten Tag mit Bodengefechten hat Israel seine Offensive im Norden des Gazastreifens fortgesetzt. Dabei wurde Augenzeugen zufolge heute ein Extremist der regierenden Hamas getötet, drei weitere wurden verletzt. Die Armee erklärte, sie habe das Feuer auf eine Gruppe von vier bewaffneten Palästinensern eröffnet, die sich in der Nähe des Gefechtsortes vom Vortag aufgehalten hätten.

Bei den Kämpfen in der Stadt Beit Lahija waren 19 Palästinenser und ein israelischer Soldat getötet worden. Es handelte sich um die folgenschwersten Zusammenstöße seit Beginn der israelischen Offensive Anfang vergangener Woche.

Beide Seiten bereiten sich auf weitere Auseinandersetzungen heute vor. Israelische Panzer nahmen zudem ein Gebäude unter Beschuss, das von einem der palästinensischen Sicherheitsdienste genutzt wird. Palästinensische Kämpfer hasteten durch Seitenstraßen und bereiteten Sprengsätze vor, mit denen ein weiteres Vordringen Israels gestoppt werden soll.

Die Armee war am Vortag auch in den Norden des Gazastreifens eingerückt und hat dort eine Pufferzone besetzt. Im Uno-Sicherheitsrat blockieren derweil die USA und Frankreich eine Resolution arabischer Staaten, die einen sofortigen Abzug Israels aus dem palästinensischen Küstengebiet fordert. Der Text sei zu unausgewogen, erklärten die Uno-Botschafter der beiden Veto-Mächte.

"Wir werden Veränderungen vorschlagen, aber wir denken, dass das eine Menge Arbeit bedeutet", sagte der französische Botschafter Jean-Marc de la Sabliere. "Er ist sehr weit von einem Zustand entfernt, der zur Abstimmung gebracht werden könnte", sagte sein US-Kollege John Bolton zu dem Entwurf. Darin wird die Festnahme Dutzender von Hamas-Ministern und -Abgeordneten durch Israel und der "groß angelegte Angriff" auf den Gazastreifen verurteilt.

Zugleich werden mit dem Text Anstrengungen unterstützt, "eine diplomatische Lösung für die Frage einer Freilassung der Gefangenen, inklusive eines israelischen Soldaten zu finden".

Palästinensische Extremisten haben am 25. Juni einen israelischen Soldaten verschleppt und halten ihn seither als Geisel. Israel begann seine Offensive drei Tage später und rückte zunächst wieder in den Süden des Gazastreifens ein, den es vor rund zehn Monaten nach fast 40-jähriger Besatzungszeit verlassen hatte.

ler/reuters/AFP



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