Nahost Israel will Offensive gegen Palästinenser fortsetzen

Israel will seine Militäroffensive im Gazastreifen bis auf weiteres fortsetzen. Ministerpräsident Olmert erklärte, Israel befinde sich im Krieg. Zu dem palästinensischen Aufruf zur Waffenruhe hieß es, zunächst müsse der entführte Soldat Gilad Schalit freigelassen werden.


Gaza - Diplomatische Bemühungen um eine Freilassung des verschleppten Soldaten Gilad Schalit hätten bislang nicht gefruchtet. Der Militäreinsatz werde deshalb in wechselnder Intensität fortgesetzt, sagte Verteidigungsminister Amir Perez heute während der wöchentlichen Kabinettssitzung in Jerusalem. Ministerpräsident Ehud Olmert bekräftigte, Israel sei nicht zu Verhandlungen mit der palästinensischen radikal-islamischen Regierung bereit. "Wir verhandeln nicht mit Terroristen", sagte Olmert Medienberichten zufolge. Solche Gespräche würden nur zu neuen Entführungen ermutigen. "Wir befinden uns in einem Krieg, für den man keinen genauen Zeitplan festlegen kann", sagte Olmert.

Opfer in Gaza: Ein sechsjähriges Mädchen starb bei einem Luftangriff
AFP

Opfer in Gaza: Ein sechsjähriges Mädchen starb bei einem Luftangriff

Die Militäroffensive im Gazastreifen geht dementsprechend mit unverminderter Härte weiter. Hunderte von Hubschraubern und Drohnen unterstützten israelische Soldaten und rückten mit Dutzenden Panzern und Planierraupen in Außenbezirke von Gaza ein. Dabei wurden vier Palästinenser getötet, darunter zwei Mitglieder des bewaffneten Arms der Hamas, der Essedin-al-Kassam-Brigaden.

Sechsjährige bei Luftangriff getötet

Bei einem Luftangriff am Samstagabend in Gaza wurde ein sechsjähriges Mädchen mit seiner Mutter und seinem Bruder getötet. Die Zahl der getöteten Palästinenser seit dem Beginn der groß angelegten Offensive am Mittwochabend stieg auf mindestens 40. Auf israelischer Seite wurde im gleichen Zeitraum ein Soldat getötet. Trotz der israelischen Offensive schossen Palästinenser erneut Raketen vom Norden des Gazastreifens auf israelisches Gebiet. Dabei wurde ein Israeli verletzt.

Als Ausweg aus der derzeitigen Krise hatte der palästinensische Ministerpräsident Ismail Hanija beide Seiten aufgerufen, ihre Militäreinsätze zu beenden. Israel müsse seine Offensive im Gazastreifen beenden und seine Soldaten abziehen. In der Frage des am 25. Juni verschleppten Soldaten Gilad Schalit seien "ernsthafte Verhandlungen" erforderlich. Die palästinensische Regierung wolle zu einer Lösung "auf diplomatischem und friedlichem Wege" beitragen.

Nur aus Beit Lahija zog Israels Armee ab. Der bewaffnete Arm der Hamas feierte den Abzug als "Sieg" und kündigte eine Fortsetzung des Widerstands an. Ein von vermummten Kämpfern mit Gewehren und Raketenwerfern umringter Sprecher der Essedin-el-Kassam-Brigaden sagte, Israels dreitägige Offensive in der Stadt sei "gescheitert".

Der bewaffnete Arm der Hamas hatte sich zusammen mit den Volkswiderstandskomitees und der Armee des Islam zur Entführung des Soldaten bekannt. In Beit Lahija hatte die israelische Armee im Zuge ihres Vormarschs drei ehemalige jüdische Siedlungen wieder besetzt, die vor zehn Monaten geräumt worden waren. Der Generalstab vermutete, dass von dort aus israelische Ziele mit Raketen beschossen wurden.

ler/AFP/dpa



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