Nahost-Konflikt Israel tauscht mit Hisbollah Gefangenen, Leichen und Informationen aus

Israel und die radikal-islamische Hisbollah haben Leichen und einen Gefangenen ausgetauscht - ein deutscher Unterhändler hatte die Aktion zuvor mit vorbereitet. Zusätzlich soll Israel Informationen über den verschollen Piloten und Nationalhelden Ron Arad erhalten haben.

Nakura/Beirut/Tel Aviv - Die Übergabe der Leichen wurde am Abend in Tel Aviv offiziell bestätigt. Auch ein Libanese sei im Rahmen dieses Austauschs aus israelischer Haft freigelassen worden. Ein deutscher Unterhändler habe laut der Deutschen Nachrichten-Agentur den Austausch in den vergangenen zwei Wochen in Beirut vorbereitet.

Die Übergabe am Grenzübergang in Nakura stelle eine "neue Etappe" in den von der Uno vermittelten Verhandlungen dar, mit denen Israel seine Soldaten heimholen wolle, erklärte die israelische Regierung.

Israel übergab der Hisbollah an der Grenze die sterblichen Überreste zweier Kämpfer. Im Gegenzug gab die libanesische Schiitenmiliz die Leiche eines israelischen Zivilisten heraus, der seit zwei Jahren als vermisst galt. Dabei soll es sich um den Leichnam eines äthiopischen Emigranten handeln, der 2005 vor der Küste Israels ertrunken war und dessen Körper dann in Richtung Libanon getrieben wurde.

Laut der Nachrichtenagentur AFP lieferte die Hisbollah Israel außerdem Informationen über den seit 1986 im Libanon verschollenen Piloten Ron Arad. Dieser wurde im Oktober 1986 über dem Südlibanon abgeschossen und gilt seither als vermisst. Er soll von der pro-syrischen Miliz Amal gefangen genommen und dann an die Hisbollah übergeben worden sein. In Israel ist er ein Nationalheld - die Regierung weigert sich bis heute, ihn offiziell für tot zu erklären. Israel nimmt immer wieder Libanesen gefangen, um Informationen über Arads Verbleib zu bekommen.

Der Fall Arad steht auch im Zusammenhang mit den in Deutschland zu lebenslanger Haft verurteilten "Mykonos"-Attentätern, die im Dezember vorzeitig aus der Haft entlassen werden sollen. Der Iraner Kasem Darabi und dessen libanesischer Komplize Abbas Rhajel gelten als Kandidaten für einen Austausch mit dem israelischen Piloten.

Der Austausch war der erste seit dem Libanonkrieg 2006. Der Krieg war durch einen Hisbollah-Vorstoß auf israelisches Gebiet ausgelöst worden, bei dem die israelischen Soldaten Ehud Goldwasser und Eldad Regev gefangengenommen wurden - beide gelten weiterhin als verschollen. Die Entführungen hatten im vergangenen Jahr den 34 Tage andauernden Krieg zwischen der Hisbollah und Israel ausgelöst.

tno/dpa/AFP/AP

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