Nahost-Konflikt Israel zäunt Palästinenser ein

Unter heftigem Protest der Palästinenser hat Israel mit dem umstrittenen Bau eines Schutzzaunes an der Grenze zum Westjordanland begonnen. Mit der mehr als 110 Kilometer langen Anlage will Israel das Eindringen von palästinensischen Selbstmordattentätern verhindern.


Die rot-grünen Pfähle markieren den künftigen Verlauf des Zauns
AP

Die rot-grünen Pfähle markieren den künftigen Verlauf des Zauns

Tel Aviv/Jerusalem - Der elektronische Sperrzaun soll vom nördlichen Westjordanland bis nach Kfar Kassem bei Tel Aviv reichen. Er soll mit Kameras, Wachtürmen, Gräben und Hindernissen gesichert werden. Die Arbeiten werden rund ein Jahr dauern und 940.000 Euro pro Kilometer kosten. Nach den Worten von Verteidigungsminister Benjamin Ben-Elieser soll die Schutzanlage nicht die künftige politische Grenze zu den Palästinensergebieten markieren.

Gegen das Projekt laufen aus unterschiedlichen politischen, religiösen und Sicherheitsgründen sowohl die Palästinenser als auch jüdische Siedler, rechtsgerichtete israelische Parteien, die israelische Friedensbewegung und die arabischen Israelis Sturm. Die Palästinenser befürchten eine weitere Enteignung ihres Landes und eine Vorwegnahme der Grenzziehung zu ihren Lasten.

Der palästinensische Kommunalminister Sajeb Erakat warf Israel vor, durch den Bau des Zauns vollendete Tatsachen schaffen zu wollen. "Er macht alle abgeschlossenen Verträge zunichte und verwandelt das Westjordanland in Kantone", warnte der Politiker.

Zeitgleich mit dem Baubeginn kündigte der palästinensische Innenminister Abdul Rasak Jachia an, dass er palästinensische Milizen auflösen und gegen Selbstmordanschläge vorgehen wolle. Der vor zwei Wochen ernannte Minister will die zwölf palästinensischen Polizei- und Sicherheitsorganisationen künftig unter seinem Oberkommando in zwei Organisationen zusammenfassen. Der 73-Jährige verurteilte die Selbstmordanschläge gegen Israelis, die nichts gebracht hätten. Sie hätten lediglich zur Zerstörung der palästinensischen Infrastruktur und zu einer Verschiebung der Machtverhältnisse in Israel geführt.

Der israelische Ministerpräsident Ariel Scharon erklärte am Sonntag, "die Bedingungen für die Errichtung eines wie auch immer gearteten palästinensischen Staates sind noch nicht reif". Nach einem heftigen Streit innerhalb seines Kabinetts kündigte Scharon an, dass sich das Sicherheitskabinett am kommenden Mittwoch mit dem Bau des Zaunes beschäftigen werde.

Der Gazastreifen ist bereits durch einen Sperrzaun von Israel getrennt. Nach Angaben der israelischen Armeeführung ist es dort seit Ausbruch der Intifada nur einem Dutzend Palästinensern gelungen, nach Israel zu gelangen.



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