Nahost-Konflikt Israelische Soldaten töten Achtjährigen

Dem Nahost-Konflikt ist erneut ein Kind zum Opfer gefallen. Israelische Soldaten erschossen einen achtjährigen Jungen, weil er zusammen mit anderen Kindern Steine auf ein Armeefahrzeug geworfen hatte.


Jerusalem - In Nablus missachteten zahlreiche Menschen das strikte Ausgehverbot, um Lebensmittel einzukaufen. Auch einige Kinder gingen zur Schule, andere gingen ins Stadtzentrum, wo später israelische Armeefahrzeuge angegriffen wurden.

Der getötete Junge soll Augenzeugen zufolge in einer Seitenstraße gewesen sein, als die Steine flogen und Schüsse fielen. Sieben Palästinenser wurden bei dem Zwischenfall verletzt, darunter zwei Erwachsene, die sich nach Angaben von Krankenhausbediensteten in einem kritischen Zustand befanden.

Das israelische Militär erklärte, das Feuer eröffnet zu haben, um die Steinewerfer in die Flucht zu jagen. Es sollen auch zwei Sprengsätze auf die Soldaten geworfen worden sein.

Erst in der vorvergangenen Woche hatten israelische Soldaten drei palästinensische Kinder innerhalb von zwei Tagen getötet.

Bethlehem war am Freitag nach einem neuerlichen palästinensischen Selbstmordanschlag von israelischen Soldaten mit Panzerfahrzeugen besetzt worden. Der Attentäter, der tags zuvor in Jerusalem elf Busreisende mit sich in den Tod gerissen hatte, stammte aus dieser Stadt. Am Montag zog die israelische Armee wieder aus Bethlehem ab. Nach Angaben eines Militärsprechers handelt es sich dabei jedoch nicht um einen offiziellen Rückzug.

Als die Bewohner Bethlehems wieder ihre Häuser verließen und die Geschäfte wieder öffneten, fuhren erneut israelische Patrouillen ins Stadtzentrum. Die Beamten überprüften Pässe und forderten die Menschen zur sofortigen Rückkehr in ihre Häuser auf. Israelische Truppen haben sich schon öfters an den Rand einer palästinensischen Stadt zurückgezogen, um sie gegebenenfalls schnell wieder besetzen zu können.



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