Nahost-Konflikt Jüdische Siedler bauen Hunderte neue Wohnungen

Unbeeindruckt von internationaler Kritik treibt Israel den Bau neuer Wohnungen im Westjordanland voran. Einer israelischen Friedensorganisation zufolge wird sogar noch schneller gebaut als vor dem Siedlungsstopp. Eine Aussöhnung mit den Palästinensern rückt damit weiter in die Ferne.

Wohnungsbau im Westjordanland: Beschleunigtes Tempo
dpa

Wohnungsbau im Westjordanland: Beschleunigtes Tempo


Jerusalem - Jüdische Siedler haben seit dem Auslaufen des Baustopps im Westjordanland vor weniger als einem Monat offenbar mit dem Bau Hunderter neuer Wohnungen begonnen. Es würden derzeit zwischen 600 und 700 neue Wohnungen gebaut, sagte Hagit Ofran von der israelischen Bewegung Frieden Jetzt am Donnerstag. Damit sei das Bautempo etwa viermal so hoch wie in der Zeit vor Verhängung des Moratoriums. Im August hatte Frieden Jetzt mitgeteilt, in "normalen Zeiten" würden in den jüdischen Siedlungen im Westjordanland alle acht Monate 1130 neue Wohnungen gebaut.

Ofran zufolge nahm dagegen die Geschwindigkeit beim Wohnungsbau in jüdischen Siedlungen in Ost-Jerusalem etwas ab. Allerdings schrieb Israel vergangene Woche den Bau von 238 neuen Wohnungen in Ost-Jerusalem aus. Mehr als 300.000 Israelis leben in Siedlungen im Westjordanland, in Ost-Jerusalem haben sich rund 200.000 jüdische Siedler niedergelassen.

Der Bau jüdischer Siedlungen im Westjordanland und in Ost-Jerusalem ist ein zentraler Streitpunkt bei den Friedensgesprächen zwischen Israel und den Palästinensern. Am 26. September war ein zehnmonatiger Baustopp ausgelaufen, der aber nur das Westjordanland betraf. Israels Regierungchef Benjamin Netanjahu hatte sich geweigert, das Moratorium wie von den USA und der EU gefordert zu verlängern. Seitdem sind die Fronten zwischen Israel und Palästinensern wieder verhärtet.

Die Palästinenser wollen die Gespräche nicht fortsetzen, wenn der israelische Baustopp nicht verlängert wird. Auch die USA verlangen eine Verlängerung des Siedlungsstopps im Westjordanland. Netanjahu hatte dies vergangene Woche angeboten - jedoch harte Bedingungen gestellt. Er forderte von der palästinensischen Führung im Gegenzug, "Israel als Nationalstaat des jüdischen Volks" eindeutig anzuerkennen. Das wiederum lehnte der palästinensische Chefunterhändler Sajeb Erakat ab.

Im Westjordanland leben etwa 300.000 jüdische Siedler. Die Palästinenser beanspruchen das Gebiet für sich. Sie werten jede Fortsetzung des israelischen Siedlungsbaus als Indiz dafür, dass Israel nicht ernsthaft an einem Kompromiss interessiert ist.

ler/AFP



insgesamt 88 Beiträge
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Gandhi, 21.10.2010
1. Damit wird erst einmal
Zitat von sysopUnbeeindruckt von internationaler Kritik treibt Israel den Bau neuer Wohnungen im Westjordanland voran. Einer israelischen Friedensorganisation zufolge wird sogar noch schneller gebaut als vor dem Siedlungsstopp. Eine Aussöhnung mit den Palästinensern rückt damit weiter in die Ferne. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,724528,00.html
eine Zwei-Staaten-Loesung immer schwieriger gemacht. Man soll sich in der isralischen Fuehrung nicht der Illusion hingeben, die PA werde spaeter schon noch einem Frieden mit Gebiets- und Menschentausch zustimmen. Damit rueckt die Ein-Staaten-Loesung immer naeher, ohne Aussoehung. Man kann dann zwar versuchen, den arabischen Israelis die Buergerrechte zu nehmen, doch langfristig aendert sich nichts an der Konstellation. Daran wird sich erst dann etwas aendern, wenn die arabischen Israelis die Mehrheit haben, wegen der verpassten Chance auf Aussoehnung. Doch anders als sich das Netanjahu und Lieberman vorstellen. Aber so mancher Pokerspieler stand am Ende mit leeren Haenden da.
Medienkritiker 21.10.2010
2. weiter so
vielleicht begreifen irgendwann auch die Amis und unsere Bundeskanzlerin, dass Israel keineswegs unschuldig am endlosen Konflikt ist. Das Unvermögen, Kritik an Israel zu äußern, sollte trotz der geschichtlichen Fakten beendet werden.
Transmitter, 21.10.2010
3. Einfach nur konsequent
Zitat von Medienkritikervielleicht begreifen irgendwann auch die Amis und unsere Bundeskanzlerin, dass Israel keineswegs unschuldig am endlosen Konflikt ist. Das Unvermögen, Kritik an Israel zu äußern, sollte trotz der geschichtlichen Fakten beendet werden.
Wo ist denn der Neuigkeitswert? Israels Siedlungspolitik geht doch schon seit Jahrzehnten genau so ab. Zwei Schritte vor und einer zurück. Ein Schritt kommt dabei aber immer heraus und das kleine aber mächtige Land schafft konsequent Fakten. Mit der Geduld und dem Weitblick einer rund fünftausendenjährigen Kulturgeschichte. Bewundernswert.
Emil Peisker 21.10.2010
4. Bewundernswert
Zitat von TransmitterWo ist denn der Neuigkeitswert? Israels Siedlungspolitik geht doch schon seit Jahrzehnten genau so ab. Zwei Schritte vor und einer zurück. Ein Schritt kommt dabei aber immer heraus und das kleine aber mächtige Land schafft konsequent Fakten. Mit der Geduld und dem Weitblick einer rund fünftausendenjährigen Kulturgeschichte. Bewundernswert.
Na toll!
Gandhi, 21.10.2010
5. Nicht nur der leidige Siedlungsbau
sondern die ganze Besatzung ist falsch. Rabin war ernsthaft an Frieden interessiert, deshalb musste er sterben (Der Moerder wird ja nicht umsonst von den typischen Kreisen als Held betrachtet). In diesem Interview aeussert sich Gideon Levy zum Problem: http://bazonline.ch/ausland/naher-osten-und-afrika/Die-jetzige-Regierung-ist-eine-der-schlimmsten/story/15934396
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