Nahost-Konflikt Raketen aus Libanon schlagen in Nordisrael ein

Gefechte jetzt auch im Norden von Israel: Am frühen Morgen schlugen dort mehrere Raketen aus dem Südlibanon ein - womöglich will die Hisbollah aus dem Nachbarland heraus eine zweite Front eröffnen. Die israelische Artillerie feuerte zurück.

Hamburg - Mehrere Explosionen in Nordisrael lassen die Angst vor einer weiteren Eskalation im Nahost-Konflikt wachsen. Am frühen Morgen meldeten israelische Medien und die Polizei, dass in Nordisrael mehrere aus dem Libanon abgefeuerte Raketen eingeschlagen seien.

Israelische Soldaten an der Grenze zum Libanon: Angst vor Eskalation

Israelische Soldaten an der Grenze zum Libanon: Angst vor Eskalation

Foto: AFP

Die Informationen stammen aus Armeekreisen in Jerusalem, auch die Polizei bestätigte die Einschläge. Das israelische Radio berichtete von zwei leichtverletzten Personen.

Demnach schlugen die Raketen, vermutlich Katjuscha-Geschosse, in der Nähe der nordisraelischen Hafenstadt Naharija, rund acht Kilometer südlich der Grenzen zwischen Israel und dem Libanon, ein. Laut israelischen Medien explodierte eine Rakete in der Nähe eines Altersheims. Bei den Geschossen handelt es sich um selbstgebaute Raketen.

Israel reagierte prompt und heftig auf die Einschläge. Keine halbe Stunde verging, da feuerte die Armee mit ihrer Artillerie massiv in Richtung Libanon. Die Armee betonte aber, dass sie nur gezielt auf die Stellen gefeuert hätte, von der die Raketen kamen.

Die neue Entwicklung könnte erhebliches Potential für den Konflikt zwischen Israel und der Hamas im Gaza-Streifen haben. Bisher war es nur eine Befürchtung, doch nun scheint es möglich, als ob die islamistische Hisbollah aus dem Libanon sich ebenfalls in die Krise einschalten könnte.

In den vergangenen Tagen hatte sich Hisbollah-Chef Nasrallah zwar mehrmals öffentlich mit radikalen Äußerungen hervorgetan - seine Kämpfer aber hielten sich zurück.

Erst am Mittwochabend hatte Nasrallah bei den Aschura-Feierlichkeiten Angriffe aus dem Libanon auf Israel nicht ausgeschlossen. "Wir sind bereit, unsere Seelen, unsere Kinder und unsere Liebsten zu opfern", sagte er vor zehntausenden Anhängern seiner Miliz. Alles sei möglich.

Ob die Hisbollah wirklich hinter den Raketenschüssen steckt, blieb in den Stunden nach den Einschlägen ungewiss. Aus libanesischen Sicherheitskreisen hieß es, möglicherweise seien die Geschosse auch von radikalen Palästinenser-Gruppen im Südlibanon abgefeuert worden. Die Hisbollah gilt als straff organisierte Gruppe, deren Kämpfer nichts ohne einen direkten Befehl von Hassan Nasrallah unternehmen.

Folglich kam das Dementi auch recht schnell: Die schiitische Hisbollah sei für den Raketenbeschuss nicht verantwortlich und wisse auch nicht, wer dahinter stecke, sagte ein Hisbollah-Sprecher der Nachrichtenagentur AFP gut zwei Stunden nach den Einschlägen.

Israel hatte im Sommer 2006 den Libanon massiv angegriffen, um die Hisbollah zu schwächen. Auslöser des Kriegs war die Entführung von israelischen Soldaten durch die Hisbollah und immer neue Raketen, die aus dem Südlibanon in Richtung Israel abgefeuert worden waren.

Nahost-Konflikt

Israel erreichte sein Ziel jedoch nicht. Trotz einer massiven Luftkampagne und heftigen Bombardements zeigte sich die Hisbollah nur mäßig geschwächt. Am Ende einigte man sich auf einen international kontrollierten Waffenstillstand - auch, weil Israel bei seinem Angriff kaum Rücksicht auf zivile Opfer nahm.

Bisher hat sich die Hisbollah grundsätzlich an das Abkommen gehalten, hat jedoch trotz einer Uno-Kontrollmission im Süden des Libanon nach Ansicht von Experten erheblich aufgerüstet.

Wurden die Raketen an diesem Morgen tatsächlich von der Hisbollah abgefeuert, wären es die ersten seit dem Ende der Kampfhandlungen im Libanon-Krieg von 2006.

mgb/AFP/Reuters