Nahost-Konflikt Scharon droht Arafat mit Tötung

Palästinenser-Präsident Arafat muss um sein Leben fürchten. Israels Ministerpräsident Ariel Scharon sieht sich nicht mehr an sein Versprechen an die USA gebunden, Arafat keinen Schaden zuzufügen.

Jerusalem - Scharon erklärte, er habe US-Präsident George W. Bush bei seinem Besuch in der vergangenen Woche über den Wechsel seiner Einstellung informiert. "Bei unserem ersten Treffen vor drei Jahren habe ich ihm (Bush) gesagt, dass ich seine Bitte akzeptiere, Arafat nicht körperlich zu schaden," sagte er dem TV-Sender Channel Two. "Aber ich entbinde mich von dieser Verpflichtung." Scharon beschuldigt Arafat, militante Palästinenser zu unterstützen.

In dem Interview gab Scharon kein Indiz dafür, dass ein Anschlag auf Arafat direkt bevorstehen könnte. Möglicherweise zielt die neue Position hauptsächlich auf die eigene Partei. Im rechten Likud, der Anfang Mai über Scharons Rückzugspläne aus Gaza abstimmt, dürfte Scharon viel Zuspruch für seinen Kurswechsel erhalten.

In einer ersten Reaktion teilte das US-Außenministerium mit, es bleibe bei seiner Einstellung gegen eine Ermordung Arafats. "Die amerikanische Position hat sich nicht verändert," teilte Außenamtssprecher Richard Boucher mit. Obwohl die US-Regierung Arafat nicht als offiziellen Palästinenserführer anerkennt, lehnt sie jede Gewaltanwendung gegen ihn ab.

Ein Berater Arafats, Nabil Abu Rdainah, sagte, Scharons Äußerungen würden zu wachsenden Spannungen in der Region führen. "Wir erwarten von George Bush eine Klärung dieser Aussage und machen Scharon für ein so gefährliches Statement verantwortlich."

Aus Furcht vor einem israelischen Angriff hatten zwölf Mitglieder der gewalttätigen al-Aksa-Brigaden gestern ihren Unterschlupf im Hauptquartier Arafats in Ramallah verlassen. Ein Führungsmitglied von Arafats Fatah-Organisation, zu der die Brigaden gehören, hatte gesagt, die Männer seien davon überzeugt, dass es besser sei, das Gelände zu verlassen als eine Verletzung Arafats oder eine Verschärfung seines Belagerungszustandes zu riskieren.

Israel hatte am vergangenen Wochenende den Hamas-Führer im Gazastreifen, Abdel Asis Rantisi, mit einem gezielten Raketenangriff getötet. Rantisi war der Nachfolger des Ende März ebenfalls von Israel liquidierten Hamas-Gründers Scheich Ahmed Jassin. Die israelische Regierung hat angekündigt, weitere Extremistenführer gezielt zu töten.

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