Nahost-Konflikt Tote bei israelischem Angriff in Gaza

Bei einer Militäroperation in Gaza-Stadt erschossen israelische Soldaten zwei Palästinenser. Zuvor war die israelische Armee mit mindestens 30 Panzern in die Stadt eingedrungen.


Die Trümmer des fünfstöckigen Hauses eines mutmaßlichen Hamas-Terroristen
AP

Die Trümmer des fünfstöckigen Hauses eines mutmaßlichen Hamas-Terroristen

Gaza - Nach palästinensischen Angaben ist einer der Toten ein palästinensischer Polizist, der andere ein Zivilist. Außerdem seien vier Menschen verletzt worden, darunter ein Arzt, teilte das Krankenhaus in Gaza mit.

Die Panzer, die kurz nach Mitternacht von Norden her in den Stadtteil Scheich Radwan eindrangen und aus der Luft von Kampfhubschraubern unterstützt wurden, sprengten das Haus eines Hamas-Aktivisten. Bei der Sprengung wurde niemand verletzt. Es handelte sich um das Gebäude von Achmed Ghandur, einem Führer der Hamas-Bewegung, von dem die israelische Armee glaubt, dass er mehrere Anschläge mitgeplant habe. Das israelische Militär bestätigte, dass in Gaza eine Operation im Gange sei, gab aber keine Einzelheiten bekannt. Über Teile Gazas wurde eine Ausgangssperre verhängt.

Der israelische Einmarsch in Gaza folgte einem palästinensischen Anschlag vom Sonntag, bei dem ein israelischer Panzer auf eine Mine fuhr und vier Soldaten getötet wurden. Der bewaffnete Arm der Hamas-Bewegung bekannte sich zu der Tat. Nach diesem Attentat erklärte der israelische Verteidigungsminister Schaul Mofas, die Armee werde der Hamas einen schweren Schlag versetzen. Die Zerstörung des Hauses bezeichnete die Armee als Botschaft an "Terroristen, Selbstmordattentäter und ihre Komplizen, dass ihre Taten einen Preis haben."

Die israelische Tageszeitung "Haaretz" berichtete unterdessen, die Streitkräfte bereiten eine Großoffensive gegen den militanten Teil der radikalen Hamas-Bewegung im Gaza-Streifen vor. Eine Wiederbesetzung des autonomen Gebietes, in dem eine Million Palästinenser leben, werde aber nicht geplant.

Ebenfalls in der Nacht zum Montag waren bei Gefechten im Westjordanland drei Palästinenser getötet worden. Die israelische Armee nahm einen hochrangigen Vertreter einer Palästinenser-Organisation im Exekutivkomitee der Palästinensischen Befreiungsfront (PLO) fest. Als sie in das Büro eindrang, in dem der Mann arbeitete, eröffneten Palästinenser das Feuer, berichten Augenzeugen.

Unterdessen machte die Hamas-Führung Israel für eine Explosion am Sonntagnachmittag in Gaza-Stadt verantwortlich, bei der sechs ihrer Mitglieder getötet wurden. Auf einem Bauernhof war ein Sprengsatz explodiert, als die Hamas-Mitglieder eigenen Angaben zufolge gerade mit einem ferngesteuerten Kleinflugzeug beschäftigt waren. Die Bewegung warf Israel vor, einen Sprengsatz ferngezündet zu haben. Nach Angaben der Nachrichtenagentur dpa bestreitet die israelische Armee eine Beteiligung. Palästinensische Sicherheitskreise wiederum äußerten die Vermutung, dass es bei dem Bau einer Bombe zu der Explosion gekommen sein könnte.



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