Nahost-Konflikt US-Regierung äußert sich überraschend israelkritisch

"Wir wollen nicht, dass noch mehr Zivilisten getötet werden": Barack Obama hat sich mit deutlichen Worten an die israelische Regierung gewandt - und mehr Zurückhaltung im Gaza-Streifen gefordert.
US-Präsident Barack Obama: "Zivilisten vor dem Tod bewahren"

US-Präsident Barack Obama: "Zivilisten vor dem Tod bewahren"

Foto: JEWEL SAMAD/ AFP

Washington - Die US-Regierung verlangt von Israel einen besonneneren Einsatz im Gaza-Streifen: "Israel muss größere Anstrengungen unternehmen, um seine eigenen Standards einzuhalten und Zivilisten vor dem Tod zu bewahren", sagte der Sprecher des Weißen Hauses, Josh Earnest, in einem Briefing vor Reportern. "Wir werden diese Nachricht immer wieder direkt zu den Israelis schicken." Die israelische Armee müsse alles daran setzen, das Wohlergehen von unschuldigen Zivilisten nicht zu gefährden.

Zwar nannte Earnest auch den Raketenbeschuss durch die Hamas "nicht akzeptabel" - dies ist aber die ohnehin bekannte amerikanische Position. Überraschend sind hingegen die deutlichen Worte, welche die US-Regierung in Richtung des Verbündeten Israel findet.

Präsident Barack Obama setzt seine Hoffnung nun auf die Vermittlung durch seinen Außenminister John Kerry. Dieser werde nach seiner Ankunft in Kairo am Abend auf eine "sofortige Einstellung der Kampfhandlungen" zwischen der israelischen Armee und der palästinensischen Hamas-Bewegung dringen, sagte Obama am Montag in Washington. "Wir wollen nicht, dass noch mehr Zivilisten getötet werden." Der Präsident räumte aber ein, dass Kerrys Aufgabe "nicht leicht" sein werde.

Obama bekräftigte das Recht Israels auf Selbstverteidigung gegen die Raketenangriffe der Hamas. "Ich habe allerdings auch gesagt, dass wir ernsthaft besorgt sind über die wachsende Zahl der getöteten palästinensischen Zivilisten und den Verlust israelischer Leben", sagte er. Der US-Präsident hatte diese Botschaft Israels Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu bereits in einem Telefonat am Sonntag überbracht.

Später gab das Auswärtige Amt der USA eine Reisewarnung  für Israel, das Westjordanland und den Gaza-Streifen heraus. Darin rät die Behörde ihren Bürgern, von Reisen in die genannten Regionen abzusehen. Als Grund für die Warnung werden die andauernden Kämpfe in dem Krisengebiet angegeben.

Israel fliegt seit dem 8. Juli Luftangriffe auf den Gazastreifen, um dem anhaltenden Raketenbeschuss aus dem palästinensischen Küstengebiet zu begegnen. Am Donnerstag startete die Armee zudem eine Bodenoffensive. Seit Beginn des Militäreinsatzes wurden im Gazastreifen nach Angaben von Rettungskräften mehr als 570 Menschen getötet. Auf israelischer Seite wurden offiziellen Angaben zufolge bislang zwei Zivilisten und 25 Soldaten getötet. Allein in den vergangenen 24 Stunden seien sieben israelische Soldaten bei Kämpfen mit Hamas-Terroristen in Gaza getötet worden, erklärte das Militär am Montag.

Es ist ein Krieg, in dem hauptsächlich Unbeteiligte zu Opfern werden. Zwei Drittel der getöteten Palästinenser sollen Zivilisten sein. Unter den 3000 verletzten Menschen sind nach Angaben der Uno rund 1000 Kinder.

jbe/AFP/Reuters/