Nahost-Konflikt Vereinte Nationen stoppen Hilfslieferungen nach Gaza

Die Uno-Organisation UNRWA zieht Konsequenzen: Alle Hilfstransporte in den Gaza-Streifen werden ausgesetzt. Wiederholt hatte die Hamas zuletzt Lieferungen beschlagnahmt. Die Palästinenser-Organisation bemüht sich um Schadensbegrenzung - es handele sich um ein Missverständnis.


Jerusalem - Die Vereinten Nationen haben ihre Lieferungen in den Gaza-Streifen vorerst eingestellt. Die Hilfsorganisation UNRWA begründete diesen Entschluss am Freitag mit der wiederholten Einmischung der radikal-islamischen Bewegung.

Palästinenserin vor UNRWA-Hilfsgütern: Lieferungen werden vorerst eingestellt
REUTERS

Palästinenserin vor UNRWA-Hilfsgütern: Lieferungen werden vorerst eingestellt

Hamas-Mitglieder hatten am Dienstag nach Uno-Angaben zum zweiten Mal in dieser Woche eine Hilfslieferung beschlagnahmt. Das Moratorium bleibe solange in Kraft, bis die Nahrungsmittel, Decken und anderen Güter wieder freigegeben würden, erklärte UNRWA.

Die Hamas wies die Vorwürfe zurück: "Es war ein Missverständnis unter Fahrern", sagte der für Wohlfahrtsfragen zuständige Minister Ahmed al-Kurd am Freitag. "Wir haben der UNRWA mitgeteilt, dass sie zu uns kommen und die Güter zurückholen kann. Aus irgendwelchen Gründen sind sie aber nicht gekommen." Hamas-Sprecher Fausi Barhum bezeichnete die Entscheidung als ungerechtfertigt.

Seine Organisation unterstütze die Arbeit der Hilfsorganisation. Sie glaube aber, dass Mitarbeiter Hilfsgüter mitunter gezielt an rivalisierende Gruppen verteilten. "Wir von der Hamas lehnen die Verwendung von Hilfsgütern für politische Zwecke strikt ab", betonte Barhum. Im Gazastreifen sind etwa 80 Prozent der 1,4 Millionen Einwohner von der Uno-Hilfe abhängig.

Die Vorräte reichen nach UNRWA-Angaben noch für wenige Tage. Am Mittwoch hatten Mitglieder der Hamas Decken und Essen aus einem Laden der Hilfsorganisation genommen. Der 22-tägige Gazakrieg zwischen Israel und der Hamas hat viele tausend Menschen in dem Küstengebiet obdachlos gemacht, die dringend Hilfe benötigen.

Trotz der offiziellen Waffenruhe im Gazastreifen griffen palästinensische Extremisten am Freitag erneut den Süden Israels mit einer Rakete an. Das Geschoss schlug in der Nähe eines Bauernhofs ein, ohne Schaden anzurichten, teilten die israelischen Streitkräfte mit. Am Donnerstagabend war es an der Grenze zu einem Zwischenfall gekommen. Israelische Soldaten erschossen einen Palästinenser, der nach Militärangaben mit einer Granate bewaffnet war.

cte/AP/Reuters



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