Nahost-Krise Bombenhagel auf Ziele im Gaza-Streifen

Stundenlang hat die israelische Armee Ziele im Gaza-Streifen aus der Luft und vom Boden bombardiert. Uno-Generalsekretär Annan hat den israelischen Luftschlag im Libanon ungewöhnlich scharf verurteilt.


Nächtlicher Bombenhagel: Zerstörte palästinensische Polizeistation
AP

Nächtlicher Bombenhagel: Zerstörte palästinensische Polizeistation

New York/Gaza/Jerusalem - Bei dem umfangreichsten Angriff der israelischen Armee im Gaza-Streifen seit Beginn der Palästinenser- Unruhen vor mehr als sechs Monaten ist in der Nacht zum Dienstag ein palästinensischer Polizist getötet worden. Nach palästinensischen Angaben wurden zudem 20 Menschen verletzt, als israelische Kampfhubschrauber, Panzer und Schnellboote das autonome Gebiet mit Raketen beschossen. Mindestens 16 Gebäude in Gaza-Stadt und Dir el- Balah im Süden des Gaza-Streifens wurden angegriffen, zumeist Einrichtungen der palästinensischen Eliteeinheit "Force 17".

Israelische Soldaten blockierten nach Medienberichten mit Panzern zentrale Verbindungsstraßen des Gaza-Streifens und nahmen zudem "strategische Stützpunkte" in dem autonomem Gebiet ein. Von israelischer Seite hieß es jedoch, man habe nicht die Absicht, den Gaza-Streifen zurückzuerobern. Armeesprecher Ron Kitri sagte, die israelische Operation werde solange weitergehen, bis sichergestellt sei, dass es keine palästinensischen Granatenangriffe auf israelische Ziele mehr geben werde.

Mit den nächtlichen Angriffen übte die israelische Armee Vergeltung für den Beschuss der Stadt Sederot am Montagabend. Palästinensische Rebellen hatten bei Anbruch der Dämmerung mehrere Granaten auf die Stadt nahe der Grenze zum Gaza-Streifen abgefeuert. Ein Israeli erlitt einen Schock, es entstand jedoch kein großer Sachschaden.

Israels Außenminister Schimon Peres kritisierte am Dienstag, Palästinenserpräsident Jassir Arafat unternehme nichts, um die Granatenangriffe zu unterbinden.

Scharfe Kritik von Kofi Annan

Unterdessen hat Uno-Generalsekretär den israelischen Angriff auf eine syrische Radarstation im Libanon scharf kritisiert. Die Bombardierung sei eine "klare Verletzung" von Resolutionen des Weltsicherheitsrates, erklärte Kofi Annan am Montagabend in New York. Der Uno-Generalsekretär habe telefonisch mit Regierungen der Nahost-Region die Eskalation des Konfliktes erörtert, erklärte Annans Sprecher Fred Eckhard. Annan werde diese Kontakte in der Nacht sowie am Dienstag von New York aus fortsetzen. Er plädiere für die möglichst rasche Wiederaufnahme politischer Verhandlungen, um eine gefährliche Ausweitung des Konflikts zu verhindern.

Weltweite Sorge

Der israelische Angriff auf die syrische Stellung hatte zuvor bereits weltweit die Sorge über eine Ausweitung des Konflikts wachsen lassen. In Berlin äußerte sich Bundesaußenminister Joschka Fischer (Grüne) "außerordentlich besorgt" und forderte ein Ende des Blutvergießens. "Die Bundesregierung appelliert dringend an alle Beteiligten, von weiteren militärischen Aktionen abzusehen", sagte er zum Hisbollah- Angriff und dem israelischen Luftschlag. Auch Frankreich äußerte "große Besorgnis" und rief die Beteiligten auf, die Gewalt zu beenden. Das Außenministerium in Paris warnte vor der "Gefahr eskalierender militärischer Aktionen". Der ägyptische Außenminister Amre Mussa sprach von einem israelischen "Angriff auf einen souveränen Staat".



© SPIEGEL ONLINE 2001
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.