Nahost-Krise EU-Kommissar kritisiert Menschenrechtsverletzungen Israels

In unerwartet scharfer Weise hat EU-Entwicklungshilfekommissar Louis Michel die israelischen Angriffe im Libanon kritisiert: Das Land verletze Menschenrechte und mache Beirut dem Erdboden gleich.


Brüssel - Michels Äußerungen stehen in deutlichem Kontrast zu den zurückhaltenderen Erklärungen der EU-Staaten, die die Kriegsparteien bislang lediglich dazu aufgerufen haben, Zivilisten zu schützen und sich im Rahmen des internationalen Rechts zu bewegen. Im Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters sagte der Entwicklungshilfekommissar: "Israels Recht auf Selbstverteidigung heißt nicht, dass es ihnen erlaubt ist, Beirut und die gesamte Infrastruktur des Landes dem Erdboden gleichzumachen - im Namen des Kampfes gegen die Hisbollah." Eine spezifische Verurteilung Israels gab es bisher noch nicht aus den Reihen der Europäischen Union.

Michel betonte zugleich, dass auch die libanesische Hisbollah-Miliz Menschenrechte verletze. Sowohl Israel als auch die radikale Gruppe müssten jetzt sichere Korridore schaffen, damit humanitäre Hilfe die Betroffenen in dem Krisengebiet erreichen könne. Dass Israel am Dienstag einer Luftbrücke in die libanesische Hauptstadt zugestimmt habe, sei indes nur ein erster Schritt. "Das wird nicht genug sein." Michel zufolge müssten auch Landwege freigegeben werden, damit die Hilfe an Ort und Stelle gelangen könne, um die wachsende Not der Menschen zu lindern.

agö/Reuters



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