Nahost-Krise Israel wird ausgegrenzt

Während weitere Tote in den Palästinensergebieten zu beklagen sind, haben sich die Staatschefs der Arabischen Liga hinter Jassir Arafat gestellt. Sie drohten Israel mit dem Abbruch aller Beziehungen.


Palästinenserchef Arafat auf dem Krisengipfel in Kairo
REUTERS

Palästinenserchef Arafat auf dem Krisengipfel in Kairo

Kairo - Israel trägt nach Ansicht der Arabischen Liga die alleinige Schuld am Ausbruch der Gewalt in den Palästinensergebieten. In der am Sonntag verabschiedeten Abschlusserklärung wird Israel aufgefordert, Provokationen zu unterlassen und seine Aggression gegen Zivilisten zu stoppen.

Angesichts des Zusammenbruchs des Friedensprozesses bekräftigen die arabischen Führer ihre Verpflichtung, israelischen Versuchen zu widerstehen, die arabische Welt unter irgendeinem Namen zu infiltrieren und die Aufnahme irgendwelcher Beziehungen zu Israel einzustellen", heißt es in der Schlusserklärung, wie sie vom Generalsekretär der Arabischen Liga, Esmat Abdel Megid verlesen wurde.

Die Gipfelteilnehmer fordern darin zudem ein internationales Kriegsverbrecher-Tribunal für die Verantwortlichen der Unruhen. Tunesien schloss unterdessen sein Verbindungsbüro in Tel Aviv und das israelische Büro in Tunis. Zur Begründung erklärte die Regierung in Tunis, Tunesien ziehe damit die Konsequenz aus der "gefährlichen Eskalation der blutigen israelischen Aggression", der immer wieder Zivilisten zum Opfer fielen. Tunesien hatte 1996 auf niedriger diplomatischer Ebene Beziehungen zu Israel aufgenommen.

Ägypten und Jordanien sind die einzigen Staaten, die volle diplomatische Beziehungen mit Israel unterhalten. Weil sich die Gipfelkonferenz nicht zu einer klaren Forderung nach Einstellung aller Beziehungen zu Israel durchringen wollte, hatte Libyen am Samstag seine Teilnahme an der Konferenz vorzeitig beendet.

Die arabischen Länder beschlossen ferner, am Friedensprozess festzuhalten. Zugleich soll die Normalisierung im Verhältnis zu Israel von greifbaren Fortschritten im Friedensprozess abhängig gemacht werden.

Als Soforthilfe werden die arabischen Länder eine Milliarde Dollar an die Palästinenser zahlen. Die arabischen Staatschefs machten deutlich, dass es keinen Frieden im Nahen Osten geben wird, bis die Palästinenser wieder die Souveränität über Ost-Jerusalem erhalten und dies die Hauptstadt eines unabhängigen Palästinenserstaates wird.

Bei neuen Unruhen im Gaza-Streifen ist am Sonntag ein 14 Jahre alter Palästinenser von israelischen Soldaten erschossen worden. Die Junge war nach palästinensischen Angaben auf dem Weg von der Schule nach Hause, als er am Kopf getroffen wurde. Drei weitere Palästinenser wurden bei den Zusammenstößen im Norden des Gaza-Streifens verletzt. Vor dem Palästinenserparlament in Gaza- Stadt demonstrierten zahlreiche Menschen für eine Fortsetzung des Widerstands gegen die israelische Armee. Im Westjordanland war die Lage zunächst weitgehend ruhig, bei Ausschreitungen in Hebron wurden nach palästinensischen Angaben vier Palästinenser verletzt.



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