Nahost-Krise Israels Armee besetzt Teile des Gaza-Streifens

Mehrere Stunden lang haben israelische Marine- und Luftwaffen-Einheiten massiv Ziele im Gazastreifen angegriffen. Dabei hat es Tote und Verletzte gegeben. Unterdessen drang die Armee erstmals seit 1994 in autonome Teile des Gazastreifen vor und will dort auch vorerst bleiben.


Nächtlicher Bombenhagel: Zerstörte palästinensische Polizeistation
AP

Nächtlicher Bombenhagel: Zerstörte palästinensische Polizeistation

Gaza/Jerusalem - Die israelische Armee hat am Dienstag ein autonomes Palästinensergebiet im nördlichen Gaza-Streifen besetzt. Dies verlautete aus israelischen Armeekreisen. Von dem Stück Land in der Nähe des Dorfs Bet Chanun waren am Vorabend mehrere Mörsergranaten auf die süd-israelische Stadt Sederot abgefeuert worden. Israelische Soldaten drangen mehrere hundert Meter auf das Territorium der Palästinenser vor. Israel werde das Gebiet so lange besetzt halten, bis die Granaten-Überfälle aufhörten, hieß es.

Israelische Kampfhubschrauber, Panzer und Schnellboote hatten am Montagabend bereits autonomes Gebiet im Gaza-Streifen mit Raketen beschossen. Mindestens 16 Gebäude in der Stadt Gaza und im Flüchtlingslager Dir El-Balach im Süden des Gaza-Streifens wurden angegriffen, meist Einrichtungen der palästinensischen Eliteeinheit "Force 17". Israelische Panzer teilten den Gaza-Streifen in drei Teile und blockierten zentrale Verbindungsstraßen.

Vergeltung für Schüsse vom Montag

Mit den Angriffen übte Israel Vergeltung für den Beschuss der süd-israelischen Stadt Sederot am Montagabend. Palästinensische Rebellen hatten bei Anbruch der Dämmerung mehrere Mörsergranaten auf die Stadt nahe der Grenze zum Gaza-Streifen abgefeuert.

Inzwischen haben die Palästinenser ihre Teilnahme an Gesprächen mit Israels auf unbestimmte Zeit abgesagt. Nach Angaben des israelischen Rundfunks reagierte die palästinensische Autonomiebehörde damit auf Äußerungen des israelischen Geheimdienstchefs Avi Dichter, der die palästinensische Sicherheitsbehörde am Vortag "in jeder Hinsicht eine Terrororganisation" genannt hatte.

Scharfe Kritik von Kofi Annan

Unterdessen hat Uno-Generalsekretär den israelischen Angriff auf eine syrische Radarstation im Libanon scharf kritisiert. Die Bombardierung sei eine "klare Verletzung" von Resolutionen des Weltsicherheitsrates, erklärte Kofi Annan am Montagabend in New York. Der Uno-Generalsekretär habe telefonisch mit Regierungen der Nahost-Region die Eskalation des Konfliktes erörtert, erklärte Annans Sprecher Fred Eckhard. Annan werde diese Kontakte in der Nacht sowie am Dienstag von New York aus fortsetzen. Er plädiere für die möglichst rasche Wiederaufnahme politischer Verhandlungen, um eine gefährliche Ausweitung des Konflikts zu verhindern.

Weltweite Sorge

Der israelische Angriff auf die syrische Stellung hatte zuvor bereits weltweit die Sorge über eine Ausweitung des Konflikts wachsen lassen. In Berlin äußerte sich Bundesaußenminister Joschka Fischer (Grüne) "außerordentlich besorgt" und forderte ein Ende des Blutvergießens. "Die Bundesregierung appelliert dringend an alle Beteiligten, von weiteren militärischen Aktionen abzusehen", fasste Fischer die Reaktion der Bundesregierung zum Hisbollah- Angriff und dem israelischen Luftschlag zusammen. Auch Frankreich äußerte "große Besorgnis" und rief die Beteiligten auf, die Gewalt zu beenden. Das Außenministerium in Paris warnte vor der "Gefahr eskalierender militärischer Aktionen". Der ägyptische Außenminister Amre Mussa sprach von einem israelischen "Angriff auf einen souveränen Staat".



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