Mädchen twittert zum Gaza-Krieg "Ich könnte diese Nacht sterben"

Sie twittert live aus dem Krieg: Die 16-jährige Farah Baker berichtet aus dem Gaza-Streifen, während Israels Armee Bomben auf ihre Heimat wirft. Die Palästinenserin hat schon mehr als 100.000 Follower.

Bakers Twitter-Bild: "Drei Kriege sind genug"

Bakers Twitter-Bild: "Drei Kriege sind genug"


Gaza - Wenn ein Auto schnell an Farah Baker vorbeifährt, denkt sie, es sei eine heranrasende Rakete. Schlägt jemand eine Tür fest zu, glaubt sie, eine Bombe explodieren zu hören. Sieht sie eine schwere Wolke, kommen ihr Gedanken zum Rauch nach israelischen Luftschlägen.

Farah Baker ist ein 16-jähriges Mädchen, sie lebt mit ihren beiden jüngeren Schwestern und ihren Eltern im Gaza-Streifen - und twittert live aus dem Krieg in ihrer Heimat. Unter dem Hashtag "GazaUnderAttack" führt die Teenagerin Tagebuch über das Grauen in ihrem Alltag, ausgelöst durch israelische Bombardements, darüber, was die Kämpfe in ihr auslösen. Baker heißt bei Twitter @Farah_Gazan. In den vergangenen Tagen hat sie mehrere 10.000 Follower hinzugewonnen, inzwischen bekommen rund 105.000 Menschen ihre Nachrichten.

Baker, die seit 2012 twittert, ist zu einer Chronistin des Kriegs geworden. Sie postet verschwommene Bilder israelischer Luftangriffe, aufgenommen wohl aus dem Haus ihrer Familie, darunter der Kommentar: "Das ist meine Gegend. Ich kann nicht aufhören zu weinen. Ich könnte diese Nacht sterben."

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"Vor dem Krieg", schreibt die Palästinenserin in einem anderen Eintrag unter einem Bild von sich selbst, "fotografierte ich Natur, Seen, Menschen, die Spaß haben." Heute fotografiert sie zerstörte Gebäude wie die brennende Moschee in ihrem Viertel und wieder grelle, helle Punkte am Himmel - es sind Aufnahmen israelischer Raketen kurz vor dem Einschlag.

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Sie stellt Tondateien online, die einen Blick gewähren ins Wohnzimmer einer Familie im Bombenhagel: Erst herrscht angespannte Stille, dann hört man einen heftigen Knall und aufgeregte Stimmen, wohl Bakers Familie.

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Die Echtheit der Bilder, Ton- und Videoaufnahmen ist kaum zu überprüfen. Es spricht aber alles dafür, dass Baker authentisch ist. Der US-amerikanische Fernsehsender NBC hat sie interviewt: "Der Strom war abgeschnitten, wir saßen in der Dunkelheit, das einzige Licht waren die leuchtenden Raketen und die Drohnen." Das ganze Haus habe gewackelt, als die Bomben eingeschlagen seien, sagt sie. "Die hassen die Hamas, also bestrafen sie uns alle. Ich möchte das beenden, wenn ich älter bin, deshalb möchte ich Jura studieren."

Mehr als 1200 Tote sind palästinensischen Angaben zufolge im Gaza-Streifen seit Beginn der Kämpfe gestorben, über 6000 Verletzte soll es geben. Täglich gibt es neue Berichte über zivile Opfer und zerstörte Flüchtlingsheime.

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Vor gut einer Woche hielt Baker ein Blatt Papier in die Kamera mit der Aufschrift: "Ich bin Farah Baker, ein Mädchen aus Gaza, 16 Jahre alt. Seit ich geboren bin, habe ich 3 Kriege überlebt, und ich glaube, das ist genug."



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