Nahost Nasrallah will Angriffe auf Israel ausweiten

Es ist eine finstere Drohbotschaft in der Nahost-Krise: Hisbollah-Chef Nasrallah hat in einer Fernsehansprache angekündigt, auch Ziele südlich der israelischen Stadt Haifa mit Raketen zu beschießen. Der Anführer der radikal-islamischen Miliz sprach von einer "neuen Phase" des Kampfes.


Beirut - In einer aufgezeichneten Rede, die der Hisbollah-Fernsehsender al-Manar in der vergangenen Nacht ausstrahlte, sagte Scheich Hassan Nasrallah, dass der israelische Einfall in den Libanon die Hisbollah nicht davon abhalten werde, den Norden Israels mit Raketen zu beschießen. Je nach Entwicklung der Lage werde die Miliz entscheiden, wann sie auch Ziele "jenseits von Haifa" angreifen werde.

Die israelische Stadt Haifa wurde in den vergangenen Tagen mehrfach von Hisbollah-Raketen getroffen. "In dieser neuen Phase wird unser Bombardement nicht auf Haifa beschränkt sein", sagte Nasrallah. "Egal, wie die Reaktion des Feindes auf das Bombardement von Haifa ausfallen wird: Wir werden in eine Phase jenseits von Haifa vorrücken."

Nasrallah sagte außerdem, US-Außenministerin Condoleezza Rice habe auf ihrer Nahost-Reise diese Woche klar gesagt, dass der bewaffnete Konflikt zwischen Israel und der Hisbollah Teil der Geburt eines "neuen Nahen Ostens" sei. Diese Äußerung sei der Beweis dafür, dass Israel die Angriffe im Libanon nicht wegen der von der Hisbollah verschleppten zwei Soldaten begonnen habe, sondern "dass dies Teil eines schon lange vorbereiteten amerikanisch-zionistischen Planes ist", sagte Nasrallah.

Die einzigen Hindernisse, die Washington und Israel bei der Durchsetzung ihres Planes für eine gemeinsame Kontrolle über die Region noch sähen, seien neben der Hisbollah und den palästinensischen Widerstandgruppen Syrien und Iran.

Nasrallah erklärte zudem die Bereitschaft, über ein Ende der Kämpfe zu verhandeln. Die Hisbollah werde aber keine "demütigenden Bedingungen" für sich oder das Land akzeptieren. "Wir sind offen für politische Diskussionen und flexible Lösungen, aber die Würde und das nationale Interesse sind die rote Linie", die nicht überschritten werden dürfe, sagte er.

Zur Zahl der Hisbollah-Kämpfer, die in den vergangenen zwei Wochen getötet wurden, machte er keine Angaben. Zu den Berichten über die Gefangennahme von zwei angeblichen Kämpfern, erklärte er, die beiden Männer aus der Ortschaft Marun al-Ras seien gestern von Israel freigelassen worden, nachdem sich herausgestellt habe, dass sie keinerlei Beziehung zur Hisbollah hätten. "Häuser kann man wieder aufbauen, aber die Ehre kann man nicht wieder herstellen", fügte Nasrallah hinzu.

hen/dpa/Reuters/AP



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