Nahost Olmert genehmigt Waffenlieferung an Abbas

Die Lage im Nahen Osten könnte kaum angespannter sein: Bei einem israelischen Raketenangriff wurden elf Palästinenser getötet, und auch der  innerpalästinensche Konflikt droht weiter zu eskalieren. Inmitten dieser Lage genehmigte Israels Ministerpräsident Olmert eine Waffenlieferung in die Palästinensergebiete.


London/Jerusalem - Mit den Rüstungsgütern solle der moderate Palästinenser-Präsident Mahmud Abbas im Machtkampf mit der radikalen Hamas-Regierung gestärkt werden, sagte Israels Ministerpräsident Ehud Olmert am Dienstag zum Ende seines Aufenthalts in London. Die Waffen sollten an Abbas' nahestehende Sicherheitskräfte geliefert werden. Weitere Einzelheiten über Umfang und Herkunft der Waffen- und Munitionslieferung nannte Olmert nicht.

Raketenangriff auf Auto: elf Menschen sterben
REUTERS

Raketenangriff auf Auto: elf Menschen sterben

Einer von Olmerts Mitarbeitern sagte der Nachrichtenagentur Reuters, etwa 375 Sturmgewehre seien an einem von Israel kontrollierten Grenzübergang zwischen Jordanien und dem Westjordanland angekommen. Dies sei ungefähr die Hälfte der genehmigten Waffenlieferungen an Abbas. Palästinensische Behördenvertreter und westliche Diplomaten hatten zuvor berichtet, Ägypten und Jordanien wollten Waffen und Munition an die Präsidentenwache von Abbas liefern.

Die Rüstungslieferung erfolgt zu einem Zeitpunkt, an dem die Gewalt im Nahen Osten immer weiter zunimmt. Die rivalisierenden Palästinensergruppen Hamas und die Fatah-Bewegung von Abbas liefern sich heftige Gefechte, und auch die Angriffe zwischen Israelis und extremistischen Palästinensern reißen nicht ab. 

Am Dienstag ereignete sich der wohl folgenschwerste Raketenangriff im Gazastreifen seit dem israelischen Abzug im vergangenen Sommer. Das Geschoss schlug in ein Auto ein. Elf Palästinenser wurden getötet. Bei den Toten handelte es sich um drei militante Palästinenser, drei Sanitäter, drei Passanten und zwei Kinder. Etwa 25 Menschen wurden bei dem Angriff verletzt, berichteten Krankenhausärzte.

Palästinenserpräsident Mahmud Abbas verurteilte den Angriff in Gaza scharf als israelischen "Staatsterror". Nach palästinensischen Angaben feuerte die Luftwaffe eine weitere Rakete ab, nachdem sich bereits eine Menge um das getroffene Fahrzeug drängte. Eine israelische Armeesprecherin teilte mit, das mit Raketen beladene Fahrzeug sei unterwegs zu Angriffen auf israelische Grenzorte gewesen. Zwei weitere Palästinenser wurden in Bet Lahia bei der vorzeitigen Explosion eines Sprengsatzes getötet.

Israel lehnt Verantwortung für Explosion am Strand ab

Die Verantwortung für einen Angriff auf einen Strand im Gazastreifens wies Israel am Dienstag zurück. Es gebe "genügend Beweise" für die Unhaltbarkeit der Behauptung, Israel trage Schuld an dem Vorfall, sagte der israelische Verteidigungsminister Amir Perez. Bei der Explosion waren vor vier Tagen acht Palästinenser getötet worden, darunter eine Familie mit drei Kindern. Die Fernsehbilder von dem achtjährigen Mädchen, das angesichts des Todes ihres Vaters und weiterer Angehöriger verzweifelte, waren um die ganze Welt gegangen.

Perez nannte am Dienstag keine alternative Version, wie es zu der Explosion am Strand hatte kommen können. Aus israelischen Militärkreisen war aber durchgesickert, dass die Auswertung von Satellitenbildern, Radaraufnahmen, Videos und Geschoss-Splittern die Vermutung erhärtet habe, dass an dem Strand eine von palästinensischen Extremisten gelegte Landmine explodiert sei. Die palästinensischen Behörden bleiben jedoch bei der Version, dass der Strand von einer israelischen Granate getroffen wurde.

Der palästinensische Chefunterhändler Sajeb Erekat äußerte sich am Dienstag äußerst besorgt über die Lage in den Palästinensergebieten. Er warnte, die internen Kämpfe könnten die internationale Blockade gegen die Hamas-Regierung verschärfen. Angesichts des Streits um ein Referendum über eine Zwei-Staaten-Lösung warnte Erekat sogar von einem Bürgerkrieg. Am Montagabend hatten bewaffnete Männer den Regierungssitz des palästinensischen Ministerpräsidenten Ismail Hanija in Ramallah gestürmt und teils verwüstet. Sie sollen der Fatah von Abbas nahe stehen. In Rafah im südlichen Gazastreifen wurden bei Kämpfen zwischen Sicherheitskräften und Hamas-Mitgliedern zwei Menschen getötet und 15 verletzt.

fok/Reuters/AFP



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