Nahost-Reise Obama trifft afghanischen Präsidenten

Barack Obama ist zu Beginn seiner Tour durch den Nahen Osten und Europa mit dem afghanischen Staatspräsidenten Hamid Karzai zusammengetroffen. Während seines Aufenthalts in Kabul besuchte der US-Präsidentschaftskandidat zudem mehrfach US-Truppen.


Kabul - Wie ein Sprecher Karzais erklärte, trafen sich Obama und Karzai am Sonntag im Präsidentenpalast von Kabul. Einzelheiten des Gesprächs wurden nicht bekannt. Wie der TV-Sender CNN berichtete, verließ Obama danach Afghanistan "mit unbekanntem Ziel". Als wahrscheinliche nächste Etappe der Reise galt Bagdad. Die einwöchige Reise, mit der Obama vor allem sein außenpolitisches Profil schärfen will, führt ihn auch nach Israel und Jordanien sowie nach Berlin, Paris und London.

Vor dem Treffen mit Karzai habe Obama auf einem Militärstützpunkt in Kabul gemeinsam mit US-Soldaten gefrühstückt, berichtete CNN. Der Sender zeigte ein kurzes Video im Kreis von Soldaten. Ziel des Anti-Terror-Kampfes sei es, "mitzuhelfen, die Welt sicherer zu machen", sagte Obama. Er sei stolz auf die Arbeit der Truppen.

Wegen der desolaten Sicherheitslage in Afghanistan konnten selbst US-Medien nur spärlich über die Reise berichten. Mehrfach mussten sie nach eigenen Angaben auf Bildmaterial des Pentagons zurückgreifen. Die Sicherheitslage in Afghanistan hat sich in den vergangenen Monaten deutlich verschlechtert, seit Mai sind dort mehr US-Soldaten als im Irak ums Leben gekommen.

Obama will Truppen in Afghanistan aufstocken

Obama war am Samstag ohne vorherige Ankündigung mit einer kleinen Kongressdelegation auf dem US-Stützpunkt Bagram nördlich von Kabul gelandet. Danach besuchte er nach Angaben der US-geführten Koalitionstruppen den besonders unruhigen Osten des Landes. Am Flughafen der Stadt Dschalalabad habe er US-Soldaten getroffen. Anschließend sei er vom Kommandeur der Koalitionstruppen und der internationalen Schutztruppe Isaf in der Ostregion, General Jeffrey J. Schloesser, über die Lage informiert worden.

In Ostafghanistan waren vor einer Woche bei einem Angriff der radikal-islamischen Taliban auf einen US-Außenposten neun amerikanische Soldaten getötet worden. Die Verluste gehörten zu den schwersten der Amerikaner in Afghanistan seit dem Sturz der Taliban Ende 2001. Die Internationale Schutztruppe Isaf gab den Stützpunkt in der Provinz Kunar kurz nach dem Angriff der Aufständischen auf.

Obama hat angekündigt, im Falle eines Wahlsiegs im November die Truppen in Afghanistan verstärken zu wollen. Er wolle 10.000 weitere US-Soldaten nach Afghanistan schicken. Angesichts der eskalierenden Gewalt bräuchten die Soldaten stärkere Unterstützung. "Als Präsident würde ich eine neue Strategie verfolgen und damit beginnen, mindestens zwei weitere Kampfbrigaden zur Unterstützung unserer Mission in Afghanistan bereitzustellen", meinte er vor seiner Reise in einem Beitrag der "New York Times".



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