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31. Juli 2006, 06:21 Uhr

Nahost

Sicherheitsrat von Angriff auf Kana "extrem schockiert und erschüttert"

Fast sechs Stunden verhandelte der Uno-Sicherheitsrat in einer Dringlichkeitssitzung über eine Erklärung zu dem israelischen Luftangriff auf Kana: Das Gremium zeigte sich "extrem schockiert und erschüttert" von dem Bombardement - eine Verurteilung Israels scheiterte aber am Druck der USA.

New York - In der einstimmig verabschiedeten Erklärung der 15 Mitglieder des höchsten Uno-Gremiums hieß es in der vergangenen Nacht, "der Verlust unschuldiger Menschenleben und das Töten von Zivilisten im gegenwärtigen Libanon-Konflikt" werde in äußerster Form missbilligt.

Uno-Generalsekretär Annan nach der Dringlichkeitssitzung des Sicherheitsrates: Fast sechsstündige Verhandlung
AFP

Uno-Generalsekretär Annan nach der Dringlichkeitssitzung des Sicherheitsrates: Fast sechsstündige Verhandlung

Auf Druck der USA enthielt sich der Sicherheitsrat aber einer Verurteilung des folgenschweren Angriffs auf das Dorf Kana im Südlibanon, bei dem mindestens 56 Zivilisten ums Leben kamen, darunter 37 Kinder.

Uno-Generalsekretär Kofi Annan wurde aufgefordert, innerhalb einer Woche einen Bericht zu den Umständen des Angriffs vorzulegen. Er sei "besorgt über die Gefahr einer weiteren Eskalation der Gewalt und ihre Folgen für die humanitäre Situation", betonte der Rat in der offiziellen Erklärung.

Um den Text hatte das Gremium mehr als sechs Stunden gerungen. Nachdem er vom amtierenden Ratspräsidenten Jean-Marc de La Sablière verlesen worden war, bekräftigten mehrere Diplomaten ihre Zufriedenheit. Libanons Sonderbotschafter Nouhad Mahmoud begrüßte vor allem die Zusage des Sicherheitsrates, im Libanon-Konflikt "jetzt aktiv werden" zu wollen.

Russland und Frankreich erklärten nach der Sitzung vor Journalisten, dass sie eine klare Verurteilung des israelischen Luftangriffs und die Forderung nach einer sofortigen Waffenruhe vorgezogen hätten. Derweil lobte der amerikanische Uno-Botschafter John Bolton Israels Versprechen, seine Luftangriffe 48 Stunden lang auszusetzen, um Bewohnern in Südlibanon die Möglichkeit zur Flucht zu geben. Außerdem könne das israelische Militär in dieser Zeit untersuchen, wie es zu dem Angriff auf Zivilisten in Kana kommen konnte.

Jean Marc de La Sablière begrüßte in seiner Eigenschaft als französischer Uno-Botschafter, "dass sich der Sicherheitsrat jetzt endlich engagiert". Nun müsse ein Resolutionsentwurf ausgearbeitet werden, der die sofortige Waffenruhe zwischen Israel und der Hisbollah verlange und alle Elemente für eine dauerhafte Lösung des Konflikts enthalte. Diesen Elementen müssten dann alle Betroffenen des Libanon- Konflikts zustimmen, die Hisbollah einschließlich. Eine internationale Sicherheitstruppe in den Libanon zu entsenden und die Hisbollah gegen ihren Willen zu entwaffnen, mache nach seiner Einschätzung keinen Sinn, sagte de La Sablière.

US-Präsident George W. Bush beklagte nach dem Angriff auf Kana den "Verlust unschuldigen Lebens" und forderte einen "nachhaltigen Frieden" für die Region. "Unsere Anteilnahme gilt jenen, die heute ihr Leben verloren haben, die ihr Leben in dieser Krise verloren haben", sagte Bush gestern in Washington. Die USA seien entschlossen, mit dem Uno-Sicherheitsrat an einer Resolution zu arbeiten, "die der Region einen nachhaltigen Frieden bringt. Ein Frieden, der gilt. Ein Frieden, der Mütter und Väter in die Lage versetzt, ihre Kinder in einer hoffnungsvollen Welt großzuziehen".

hen/Reuters/dpa/AP

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