Nahost Stoßrichtung Arafat

Die israelische Armee rückt im Westjordanland weiter vor. Truppen besetzten in der Nacht Ramallah und Hebron. Das Hauptquartier von Palästinenserpräsident Jassir Arafat wurde umzingelt. Im Gaza-Streifen wurden mehrere Menschen getötet, nachdem ein Kampfhubschrauber Raketen auf sie abgefeuert hatte.

Jerusalem - Die Raketen aus dem Helikopter trafen am Montagmorgen im Süden des Gazastreifens bei Rafah zwei Autos. Wie der israelische Rundfunk berichtete, wurden in den Wagen sechs Menschen getötet. Nach Angaben aus einem Krankenhaus sind bei den Angriffen zehn Menschen verletzt worden, darunter auch Kinder. Bei den Getöteten handelt es sich vermutlich um Hamas-Extremisten.

In den Palästinenserstädten Ramallah und Hebron marschierten in den frühen Morgenstunden nach Angaben des israelischen Rundfunks starke Truppenverbände ein. Sie besetzten wichtige Punkte in den Städten. Allein in Ramallah sei die Armee mit mindestens 40 Panzern und gepanzerten Fahrzeugen aus verschiedenen Richtungen eingerückt, hieß es. Panzer umstellten dort auch den Amtssitz Arafats. Zuvor hätten israelische Soldaten auch zwei Flüchtlingslager nahe Ramallahs durchsucht, berichteten Augenzeugen. Die Bodentruppen hätten Unterstützung aus der Luft erhalten. Kampfhubschrauber kreisten über den Lagern. Nach israelischen Angaben kam es bei den jüngsten Aktionen zu keinen Schusswechseln mit Palästinensern.

Damit sind nahezu alle palästinensischen Städte im Westjordanland wieder besetzt worden. Nur Jericho wurde bislang von den Militäraktionen verschont. Das israelische Sicherheitskabinett hatte am Freitag nach einer Serie von palästinensischen Selbstmordanschlägen die Ausweitung des Armeeeinsatzes und die Einberufung von Reservisten beschlossen.

Nach Angaben der israelischen Armee ist die am Sonntag einberufene Reserve-Brigade inzwischen vollständig mobilisiert. Sie soll die bereits in den Palästinensergebieten operierenden Einheiten unterstützen. Weitere Reservisten seien informiert worden, dass sie möglicherweise schon bald mit ihrer Einberufung rechnen müssten.

Autonomiebehörde stellt Hamas-Führer unter Hausarrest

Scheich Ahmed Jassin, geistiger Führer der radikal-islamischen Hamas, wurde von der palästinensischen Autonomiebehörde unter Hausarrest gestellt. Der arabische Nachrichtensender al-Dschasira meldete in der Nacht zum Montag, Sicherheitskräfte hätten Posten vor seinem Haus in Gaza bezogen. Jassins Sohn Abd al-Hamid sagte al-Dschasira, der Arrest gegen seinen Vater sei ohne Vorwarnung verhängt worden. Die Autonomiebehörde bezeichnete die Maßnahme gegen den 66 Jahre alten Hamas-Führer als "Schutz der höchsten nationalen Interessen der Palästinenser".

Trotz der Aufforderung Arafats, alle Selbstmordanschläge sofort einzustellen, hatte Hamas in der vergangenen Woche die Fortsetzung der Anschläge auch gegen israelische Zivilisten angekündigt. Mehrfach hatte die Organisation die Autonomiebehörde vor Aktionen gegen ihre Führer gewarnt.

Bush-Rede zur Nahostpolitik

Die israelische Tageszeitung "Haaretz" berichtet, US-Präsident Georg W. Bush wolle seine seit langem erwartete Rede zur neuen Nahost-Politik der USA voraussichtlich am heutigen Montag in Washington halten. Ursprünglich wollte sich Bush zur amerikanischen Haltung in Nahost bereits vergangene Woche äußern, verschob seine Rede dann aber mehrfach wegen der palästinensischen Anschläge.

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