Nahost "Tickende Bomben unterwegs"

Nach dem jüngsten Selbstmordanschlag in Israel will die Regierung offenbar die Blockade der palästinensischen Gebiete wieder verstärken. Die Ausgehverbote in den Städten im Westjordanland sollen verschärft werden.


Jerusalem - Militärsprecherin Ruth Yaron brachte den Anschlag auf einen Linienbus in Nordisrael in Zusammenhang mit der Lockerung der Ausgehverbote in einigen Städten im Westjordanland: "Wir müssen jetzt sehr vorsichtig sein, wahrscheinlich sind mehr tickende Bomben auf dem Weg", sagte Yaron. Israel kündigte auch an, die humanitäre Hilfe für die Gebiete werde eingeschränkt. Der israelische Minister für öffentliche Sicherheit, Usi Landau, forderte die Zerschlagung der palästinensischen Sicherheitskräfte.

Der Anschlag von zwei Selbstmordattentätern auf einen Linienbus in Nordisrael hatte am Montag mindestens 14 Menschen das Leben gekostet. Weitere 45 wurden verletzt, einige von ihnen schwer.

Die Täter fuhren in der nachmittäglichen Hauptverkehrszeit an der Kreuzung Karkur bei Hadera mit einem Auto neben einen Bus und zündeten einen Sprengsatz. Nach der Explosion standen der Tatwagen sowie der Bus in Flammen, so dass sich die Einsatzkräfte zunächst nicht nähern konnten. Die Extremisten-Organisation Islamischer Dschihad bekannte sich zu dem Anschlag. Das Fernsehen berichtete unter Berufung auf die Polizei, in dem Auto hätten sich mehr als 100 Kilogramm Sprengstoff befunden.

Hadera liegt nur etwa 15 Kilometer vom Westjordanland entfernt. In der Umgebung wurden in der Vergangenheit mehrfach Selbstmordanschläge auf Busse verübt. Zuletzt waren dabei in der Nähe von Meggido, rund 25 Kilometer nordöstlich von Hadera, 15 Menschen getötet worden. Ein Polizeisprecher sagte im Rundfunk, das Tatfahrzeug sei aus der Region Dschenin gekommen. Der palästinensische Präsident Jassir Arafat erklärte, die palästinensische Führung sei bekanntermaßen gegen derartige Angriffe, die Zivilpersonen zum Ziel hätten.



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