Nahostkonflikt Jüdische Siedler besetzen unter Polizeischutz Häuser in Ostjerusalem

Mit Sturmgewehren und Mobiliar sind ultra-orthodoxe Juden in den Osten von Jerusalem gezogen, um sich dort in zwei Häusern dauerhaft niederzulassen. Als palästinensische Nachbarn sie mit Steinen bewarfen, gingen Armee und Polizei mit Tränengas gegen sie vor.




Ausschreitungen in Ost-Jerusalem: Israelische Polizisten nehmen einen palästinensischen Jugendlichen fest
AP

Ausschreitungen in Ost-Jerusalem: Israelische Polizisten nehmen einen palästinensischen Jugendlichen fest

Jerusalem - Die ultra-orthodoxen Juden rückten in der Nacht mit Stühlen, Tischen und anderem Mobiliar in ein mehrgeschossiges Wohnhaus und ein kleineres Nachbargebäude ein. Sie brachten einen Wassertank auf das Dach und richteten einen Stromgenerator ein. Die Siedler gaben sich aus als Mitglieder eines Komitees für die Erneuerung des jemenitischen Tals in Schiloah - so lautet der hebräische Name für den Stadtteil Silwan. Ein Sprecher der Siedler sagte, 1938 seien die letzten jüdischen Familien von dort vertrieben worden. `66 Jahre später haben wir jüdische Familien in das Viertel zurückgebracht, mit der Idee, Seite an Seite mit den Arabern zu leben." Die Aktion sei mit der Polizei abgesprochen worden.

Die Siedler zogen in ein siebenstöckiges Wohnhaus ein, das von privaten Investoren gekauft wurde. Der bisherige Besitzer soll in die USA geflogen sein. Besetzt wurde außerdem ein kleineres Nachbarhaus, bei dem sich ein Palästinenser als Besitzer ausgab. Insgesamt sollen in beiden Häusern acht jüdische Familien untergebracht werden.

Israelische Polizisten drangen in vier Nachbarhäuser ein und drängten die dort lebenden Männer heraus. Eine Palästinenserin saß mit vier Kleinkindern vor dem Haus auf der Straße und rief: "Das ist unser Haus. Wo sollen wir jetzt leben?"

Im Westjordanland zerstörten Soldaten unterdessen einen illegal errichteten Außenposten in der Nähe von Hebron, der lediglich aus einem Zelt und einem Schuppen bestand, der als Synagoge genutzt wurde. Nach dem internationalen Friedensplan, der so genannten Roadmap, muss Israel Dutzende Siedlungen in den palästinensischen Gebieten räumen.

Die Vertreter des so genannten Nahost-Quartetts - bestehend aus den USA, der EU, Russland und den Vereinten Nationen - kamen in Brüssel zu Beratungen über eine Wiederbelebung des Friedensprozesses zusammen. An dem Gespräch nahmen am Abend nach Informationen aus diplomatischen Kreisen auch EU-Chefdiplomat Javier Solana und der US-Sondergesandte für den Nahen Osten, William Burns, teil. Ein EU-Diplomat sagte, bei den Beratungen sei es unter anderem um den Plan des israelischen Ministerpräsidenten Ariel Scharon für einen Rückzug aus dem Gazastreifen und Teilen des Westjordanlands gegangen.



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