Nahostkonflikt Zahlreiche Verletzte nach Selbstmordattentat in Tel Aviv

Nahe dem zentralen Busbahnhof in Tel Aviv hat es ein Selbstmordattentat gegeben. Dabei wurden 30 Menschen verletzt. Der Anschlag droht die Parlamentswahl der Palästinenser zu gefährden.


Tel Aviv - Der Attentäter zündete seinen Sprengsatz Polizeiangaben zufolge in einem Restaurant auf einer belebten Einkaufsmeile in der Nähe des alten zentralen Busbahnhofs von Tel Aviv. Der Palästinenser sei das einzige Todesopfer des Anschlags, sagte ein Polizeisprecher. Die Behörden berichteten, mindestens eine weitere Person befinde sich in einem kritischen Zustand. Die meisten anderen Opfer hätten nur leichte Verletzungen erlitten.

Sanitäter kümmerten sich vor Ort um die Verletzten. Der Boden war mit Blut, Glassplittern und Trümmern übersät. Die Polizei sperrte den Ort des Anschlags weiträumig ab.

Tel Aviv: Anschlag in Schnellimbiss
AP

Tel Aviv: Anschlag in Schnellimbiss

Ein Augenzeuge berichtete, der Attentäter habe die Bombe in einem großen Rucksack bei sich getragen. Er habe zunächst in dem Schnellimbiss gegessen, dann habe ihn ein Polizist gestellt, weil er verdächtig wirkte. Kurz darauf habe er den Sprengsatz gezündet. Die Wucht der Explosion richtete schweren Schaden in dem Schnellrestaurant an. In der Gegend waren viele Menschen zum Einkaufen und Reisende unterwegs. In dem Arbeiterviertel leben viele Ausländer.

Ein Sprecher der israelischen Regierung sagte, die Tat sei ein weiteres Beispiel für die Weigerung der Palästinensischen Autonomiebehörde, Schritte zu unternehmen, Terroranschläge gegen Israel zu verhindern. Die Autonomiebehörde bleibe apathisch angesichts des Terrors, sagte Sprecher David Baker.

Der Anschlag droht die Parlamentswahl der Palästinenser zu gefährden, die in der kommenden Woche erstmals seit zehn Jahren wieder stattfinden soll. "Dieser Anschlag zielte darauf, die Wahl und die Bemühungen der palästinensischen Autonomiebehörde zu sabotieren", sagte Palästinenserpräsident Mahmud Abbas in Ramallah. Die "Abtrünnigen", die den nationalen Konsens zerstören wollten, müssten vor Gericht gestellt werden.

Nach Attentaten hat Israel wiederholt seine Sicherheitsmaßnahmen in den besetzten Gebieten verschärft. Solche Maßnahmen würden palästinensische Wähler in ihrer Bewegungsfreiheit einschränken und somit möglicherweise den Besuch von Wahllokalen unmöglich machen.

Zu der Tat in Tel Aviv bekannte sich einer israelischen Nachrichten-Internetseite zufolge der Islamische Dschihad. Die radikale Gruppe kämpft für die Zerstörung Israels und hat sich in jüngster Zeit wiederholt zu Anschlägen bekannt. Scharon hatte daraufhin ein gezieltes Vorgehen der israelischen Armee gegen die Gruppe angeordnet. Dabei wurden bei Luftangriffen im Gaza-Streifen und Einsätzen im Westjordanland mehrere Anführer der Organisation getötet.

Die Bundesregierung verurteilte den Terroranschlag. "Diese verbrecherische Tat zeigt, vor welch großen Herausforderungen alle Kräfte des Friedens im Nahen Osten stehen", sagte Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) nach seiner Rückkehr aus Ägypten in Berlin. "Gemeinsam müssen wir dafür sorgen, dass die Rechnung der Terroristen und ihrer Hintermänner nicht aufgeht."

Zuletzt hatte sich ein Palästinenser am 5. Dezember vor einem Einkaufszentrum in Netanja in die Luft gesprengt. Damals wurden fünf Menschen getötet.



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