Nahostkrise Israelischer Vorstoß in den Gaza-Streifen

Die israelische Armee ist in der vergangenen Nacht auf palästinensisches Gebiet vorgedrungen. Dabei kam es zu heftigen Schusswechseln.


Gaza/Jerusalem - Nach Angaben des Nasser-Krankenhauses in der Stadt Chan Junis wurde mindestens ein palästinensischer Kämpfer getötet. Mehr als 20 Bewohner des Viertels El Tufah seien verletzt worden. Der israelische Rundfunk berichtete, die Armee sei in die autonom verwaltete Stadt Chan Junis eingedrungen. Die Soldaten hätten Stellungen und Gebäude der Palästinenserpolizei zerstört, von denen aus Angriffe auf die israelische Armee gedeckt worden seien.

Zu der israelischen Militäraktion im Gazastreifen sagte ein Sprecher der palästinensischen Polizei, die Armee sei mit mindestens fünfzehn Panzern und Schützenpanzern mehrere hundert Meter weit auf autonomes Gebiet vorgerückt. Bulldozer hätten die Sandbarrieren vor dem Eingang zum Flüchtlingslager von Chan Junis geräumt. Es seien mindestens 35 Granaten auf El Tufah abgefeuert worden. Die Soldaten hätten vier Häuser zerstört und fünf weitere beschädigt, sagte der Polizeichef Abdel Rasak el Madschaida.

Das israelische Vorgehen erfolgte nach Angaben der palästinensischen Polizei, nachdem militante Palästinenser die benachbarte jüdische Siedlung Gusch Katif mit Mörsergranaten beschossen hatten. Ein israelischer Armeesprecher sagte, am Mittwoch hätten Palästinenser drei Panzerfaust-Granaten auf eine Armeestellung nahe der Siedlung Gani Tal abgefeuert. Auch die Siedlung Neveh Dekalim sei mit leichten Waffen beschossen worden.

Unterdessen meldete die israelische Zeitung "Haaretz" in ihrer Online-Ausgabe, nach Straßenprotesten von tausenden Palästinensern habe Palästinenserpräsident Jassir Arafat am Mittwochabend die Freilassung von Machmud Tawalbi angeordnet. Der wichtige Führer der radikalen Gruppe Islamischer Dschihad war Stunden zuvor in Dschenin festgenommen worden. Der 23-jährige stehe auf der Liste der zehn meistgesuchten Palästinenser, die Israel der Autonomiebehörde übergeben hatte. Er soll mindestens elf Selbstmordattentäter nach Israel geschickt haben. Unter Berufung auf palästinensische Quellen berichtete das Blatt, Arafat habe dem Geheimdienstchef für das Westjordanland, Dschibril Radschub, befohlen, Tawalbi freizulassen.



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