Drama im Einkaufszentrum Islamisten drohen mit Tötung letzter Geiseln in Kenia

Mit zahlreichen Geiseln verschanzt sich die Schabab-Miliz weiter in einem Einkaufszentrum in Nairobi - angeblich hinter Panzerglas. Immer wieder wird geschossen. Kenias Vizepräsident Ruto wurde vom Internationalen Strafgericht von seinem Prozess freigestellt und reist in die Heimat.


Nairobi - Gut zwei Tage dauert der Nervenkrieg um das Westgate-Einkaufszentrum in Nairobi nun schon - ein rasches Ende scheint nicht in Sicht. Am Sonntag versuchten kenianische Sicherheitskräfte zwar, das Gebäude zu stürmen. Trotzdem befinden sich weiter zahlreiche Attentäter und Geiseln in dem Komplex.

Nun verschärfen die somalischen Geiselnehmer noch einmal den Ton. Sie haben am Montagmorgen gedroht, die noch in ihrer Gewalt befindlichen Geiseln zu töten. Der Sprecher der somalischen Schabab-Miliz, Ali Mohammed Rage, erklärte auf einer islamistischen Website: "Wir gestatten den Mudschahidin in dem Gebäude, gegen die Gefangenen vorzugehen."

In der Erklärung hieß es, die Miliz sei in Kontakt mit den Geiselnehmern. Der Text prangerte zudem die Einschüchterungsversuche "Israels und anderer christlicher Regierungen" gegen das Schabab-Kommando in Nairobi an.

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Geiselnahme in Nairobi: Schüsse und Explosionen im Morgengrauen
In der Nacht und den frühen Morgenstunden waren immer wieder Schüsse und kleinere Explosionen aus dem Inneren des Gebäudes zu hören. Nach Angaben von Sicherheitskräften konzentriert sich die Aktion auf einen Supermarkt im Erdgeschoss der Mall. Dieser hat einen direkten Zugang zum Parkplatz, von dort soll ein Teil der Angreifer die Attacke gestartet haben. Wie kenianische Medien melden, befinden sich auf der Etage auch Räume, die mit Panzerglas ausgestattet sind. Dort sollen sich die Angreifer versteckt halten, was einen Zugriff enorm erschweren würde. Bestätigt ist dies offiziell jedoch nicht.

Bei der am Samstagmittag gestarteten Attacke der Terroristen waren mindestens 69 Menschen getötet sowie 175 weitere verletzt worden. Mehr als tausend Menschen sollen sich zum Zeitpunkt des Angriffs in dem Gebäude befunden haben. 63 Personen werden laut Rotem Kreuz noch vermisst. Der Überfall war der schwerste Terroranschlag in Kenia seit einem Sprengstoffangriff auf die US-Botschaft vor 15 Jahren. Unter den 10 bis 15 Angreifern soll sich auch mindestens eine Frau befinden.

Offenbar verlangten die Geiselnehmer einen Abzug der kenianischen Truppen aus Somalia, dem Heimatland von al-Schabab. Präsident Uhuru Kenyatta hatte jegliche "Verhandlungen mit Terroristen" abgelehnt.

Ruto darf in die Heimat reisen

Das Geiseldrama hat inzwischen sogar Auswirkungen auf einen international beachteten Strafprozess. Eigentlich muss sich Kenias Vizepräsident William Ruto derzeit vor dem Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag wegen mutmaßlicher Verbrechen gegen die Menschlichkeit verantworten. Dabei geht es um seine Beteiligung an den blutigen Ausschreitungen nach der umstrittenen Wahl im Jahr 2007.

Nun jedoch kann Ruto in seine Heimat reisen und bei der Lösung der Geiselsituation helfen. In einer eher ungewöhnlichen Blitzentscheidung entschied das Gericht, den Prozess um eine Woche zu vertagen und Ruto ausreisen zu lassen. Man habe sich "mit Blick auf die Umstände" zur Vertagung entschieden, so der vorsitzende Richter Chile Eboe-Osuji. Ruto wird die Niederlande noch am Vormittag verlassen.

jok/Reuters/AFP/dpa

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vindex_sine_nomine 23.09.2013
1. Weg damit!
Ohne die beiden großen messianischen, abrahamidischen Religionen wäre die Welt ein zivilisierterer, vernünftigerer, sicherer, friedlicherer und menschlicherer Ort. Mit solchen und anderen Aktionen haben Christentum und Islam ihr Existenzrecht schon lange verspielt, es wird Zeit, daß die Welt sich von diesen beiden Religionen zum Wohle der Menschheit trennt.
darthmax 23.09.2013
2.
wenn ich eine Krankheit bekämpfe, dann ist es zwar richtig, mit Medikamenten die Folgen zu bekämpfen, es ist aber besser , gegen den Erreger vorzugehen. Dieses ist auch in der Medizin in der Regel äusserst schwierig, es ist aber der einzig dauerhafte Weg. In Zeiten allerdings , wo die Impfungen verweigert werden, sogar von einer Lobby bekämpft werden, ist dieses besonders schwierig.
Beat Adler 23.09.2013
3.
Die Westgate Mall hat gegen "hinten" nur die Fassade des obersten Stockwerkes, da sie gegen eine natuerliche Erhebung gebaut wurde. Im obersten Stock, der von "hinten", vom Parkplatz her, betreten werden kann, befindet sich der Supermarkt Nakumatt. Jeder Supermarkt von dieser Groesse in Kenya hat gesicherte Raeume, um das Geld zu zaehlen, aufzubewahren, etc. Das dient dem Schutz gegen Gangster, um Raubueberfaelle zu erschweren. Dazu unterstuetzt die tagelange Gratispropaganda noch Rekrutierungen von Jihadisten weltweit! Das vermehrte Eindringen in Hotels, Konferenzzentren und Maerkte, das anschliessende Verschanzen mit Geiseln, anstatt Selbstmordbomben, fuehrt zu tagelanger Berichterstattung aller internationalen Fernsehanstalten. Jede Stunde, manchmal sogar jede halbe Stunde, wird life zum Event gebeamt. Ein zappeliger Moderator macht dann indirekt beste Propaganda fuer die Terroristen, welche so umsomehr Zulauf bekommen. Am Beispiel Westgate Mall in Nairobi wird deutlich, wie Israel damit umgeht: Kein Wort ueber tote oder verletzte Israelis, dabei haben Mehrere ihre Geschaefte dort. Israel will NICHT, dass sich Jihadisten weltweit mit dem Tod seiner Landsleute bruesten. mfG Beat
fort-perfect 23.09.2013
4. Die Devise muss heissen:
Zitat von sysopAP/dpaMit zahlreichen Geiseln verschanzt sich die Schabab-Miliz weiter in einem Einkaufszentrum in Nairobi - angeblich hinter Panzerglas. Immer wieder wird geschossen. Kenias Vize-Präsident Ruto wurde vom Internationalen Strafgericht von seinem Prozess freigestellt und reist in die Heimat. http://www.spiegel.de/politik/ausland/nairobi-islamisten-drohen-mit-toetung-letzter-geiseln-in-kenia-a-923877.html
Kein Verhandeln mit Terroristen, keine Festnahmen! Die Geschichte zeigt, dass Terroristen nie logischen Argumenten zugänglich sind, ansonsten wären es keine Terroristen, sondern gewöhnliche Schwerkriminelle..... Terroristen zeichnen sich durch religiöse oder politische Ideologien aus und sind bereit zur Durchsetzung dieser Ideologien zu sterben.... und genau bei dieser Zielsetzung sollte man ihnen behilflich sein....
michi_ 23.09.2013
5. Nairobi ist uberall...
in den lokalen Medien hier in Nairobi wird im Fernsehr soeben daruber gesprochen, woher die Terroristen kommen.... USA, GB, Canada, Finland... und einige verdachtige Auslaender wurden daran gehindert, aus Kenia auszureisen... dieser Terror kann sehr schnell zu uns kommen!
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