Streit über muslimische Abgeordnete Pelosi wirft Trump hasserfüllte Rhetorik vor

Parlamentschefin Nancy Pelosi wirft Donald Trump vor, die Abgeordnete Ilhan Omar in Gefahr zu bringen. Der US-Präsident hatte ein Video über deren umstrittene Äußerungen zu den Anschlägen vom 11. September 2001 verbreitet.

Demokraten-Spitzenpolitikerin Nancy Pelosi
AFP

Demokraten-Spitzenpolitikerin Nancy Pelosi


Die US-Demokraten kritisieren Donald Trump für einen Tweet zu einer umstrittenen Äußerung der muslimischen Abgeordneten Ilhan Omar. Nancy Pelosi, die Vorsitzende des Repräsentantenhauses, forderte den US-Präsidenten auf, das in dem Tweet enthaltene "respektlose und gefährliche Video" über Äußerungen Omars zu den Anschlägen zu löschen.

Trump hatte das Video am vergangenen Freitag via Twitter verbreitet. Darin wird - begleitet von bedrohlicher Musik - ein Ausschnitt einer Rede Omars mit Bildern von den Terroranschlägen gegengeschnitten. Die demokratische Abgeordnete hatte im März mit Blick auf die Anschläge gesagt: "Einige Leute haben etwas getan". Kritiker legten ihr das als Verharmlosung der Anschläge mit rund 3000 Toten aus. Über dem Post von Trump stand der Satz "Wir werden niemals vergessen" in Großbuchstaben.

"Seine hasserfüllte und hetzerische Rhetorik führt zu einer wahren Gefahr", sagte Pelosi über den Präsidenten. Sie habe die Kongresspolizei angeordnet, eine Sicherheitsüberprüfung vorzunehmen, um Omar, ihre Familie und ihre Mitarbeiter zu schützen.

Die Demokraten-Abgeordnete Ilhan Omar
Brian Snyder/ REUTERS

Die Demokraten-Abgeordnete Ilhan Omar

Zahlreiche prominente US-Demokraten hatten Omar bereits zuvor verteidigt. Sie warfen Trump und weiteren Republikanern vor, den Satz aus dem Kontext gerissen zu haben und die muslimische Abgeordnete zu gefährden.

Rede handelte von der Situation der Muslime in den USA

Eigentlich handelte die Rede, aus der der Ausschnitt stammt, von der Situation der Muslime in den USA seit den Terroranschlägen im Jahr 2001. Ilhan Omar hatte sie bereits am 23. März gehalten. "Wir haben viel zu lange mit dem Unbehagen gelebt, Bürger zweiter Klasse zu sein", erklärte die Abgeordnete bei einer Veranstaltung der Bürgerrechtsorganisation "Council on American-Islamic Relations" (CAIR).

Jeder Muslim im Land solle das leid sein, so Omar weiter. Darauf folgte die Passage, die auch im Video auf Twitter zu sehen ist - dort ist sie allerdings deutlich gekürzt. "CAIR wurde nach dem 11. September gegründet, da sie (CAIR, Anm. d. Red.) erkannt haben, dass einige Leute etwas getan haben und dass wir alle begannen, den Zugang zu unseren Bürgerrechten zu verlieren."

Omar selbst erklärte am Wochenende: "Niemand - egal, wie korrupt, ungeeignet (für ein Amt) oder boshaft er ist - kann meine unerschütterliche Liebe zu Amerika gefährden". Die Abgeordnete hatte im Februar für Wirbel gesorgt, als sie die israelfreundliche Haltung in den USA auf Spenden einer pro-israelischen Lobbygruppe zurückführte. Später entschuldigte sie sich für diese Äußerung, die auch bei den Demokraten auf Kritik stieß.

als/AFP



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