"Nicht nötig" Merkel weist Nato-Kritik von Macron zurück

Widerspruch für Frankreichs Präsident: Die deutsche Bundeskanzlerin kritisiert die Wortwahl von Emmanuel Macron zum Zustand der Nato deutlich. "Das ist nicht meine Sicht", sagt Merkel.

Angela Merkel mit Jens Stoltenberg: "Ein solcher Rundumschlag ist nicht nötig"
REUTERS/Fabrizio Bensch

Angela Merkel mit Jens Stoltenberg: "Ein solcher Rundumschlag ist nicht nötig"


Bundeskanzlerin Angela Merkel hat die Kritik von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron an der Nato zurückgewiesen. "Der französische Präsident hat drastische Worte gewählt, das ist nicht meine Sicht", sagte Merkel bei einer Pressekonferenz mit Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg. "Ein solcher Rundumschlag ist nicht nötig, auch wenn wir uns zusammenraufen müssen."

Macron hatte in einem Interview mit der britischen Zeitschrift "The Economist" vom "Hirntod" der Nato gesprochen und sich kritisch über den Zustand des Verteidigungsbündnisses geäußert. Es gebe "keinerlei Koordination bei strategischen Entscheidungen zwischen den USA und ihren Nato-Verbündeten", sagte Macron. Die Amerikaner schienen den europäischen Partnern "den Rücken zu kehren".

Merkel sagte dazu: "Die transatlantische Partnerschaft ist unabdingbar für uns." Ihrer Ansicht nach gebe es viele Bereiche, in denen die Allianz gut arbeite.

Verteidigungsausgaben bleiben Streitthema - auch in der Bundesregierung

Zur Frage der Lastenteilung im Verteidigungsbündnis und des finanziellen Betrags Deutschlands erklärte Merkel, es sei weiterhin das Ziel, bei den Verteidigungsausgaben "bis 2024 auf 1,5 Prozent des BIP kommen". Deutschland habe die Ausgaben zwar gesteigert. Sie wisse aber, "dass wir damit nicht in der Spitzengruppe der Nato sind".

Die deutschen Verteidigungsausgaben sind auch ein Streitthema zwischen Finanzminister Olaf Scholz und Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer. Zuletzt sorgte Scholz nach SPIEGEL-Informationen dafür, dass in der Halbzeitbilanz der Großen Koalition kein eindeutiges Bekenntnis zum Zwei-Prozent-Versprechen auftauchte.

Stoltenberg: Nato-Partner unternehmen "mehr zusammen denn je"

Nato-Generalsekretär Stoltenberg ging nicht direkt auf Macrons verbale Attacke ein. Der Generalsekretär sagte aber, die Nato sei "stark". Die USA, Kanada und Europa unternähmen derzeit "mehr zusammen denn je". Die USA seien dabei, ihre Präsenz in Europa auszubauen, die meisten Mitglieder hätten zudem ihre Ausgaben gesteigert.

Stoltenberg warnte außerdem, jeder Versuch, innerhalb der Nato Europa von Nordamerika voneinander zu entfernen trenne nicht nur die transatlantischen Partner, sondern letztlich auch die europäischen.

mes/cht/AFP



insgesamt 147 Beiträge
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wasistdalos 07.11.2019
1. Merkel reagiert aber überraschend schnell
Sonst hält sie sich ja gerne raus, daher wundert mich, daß sie so schnell Widerworte findet. Die klare Aussage von Makron brachte wohl das Faß zum Überlaufen. Darunter brodelt es noch gewaltiger ...
noalk 07.11.2019
2. Trumps Besen
Zitat: "Die Amerikaner schienen den europäischen Partnern "den Rücken zu kehren", sagte Macron." - - - Oder sind die USA einfach nur mit der Kehrwoche dran?
Kannebichler 07.11.2019
3. Das schwächste Glied
Frau Merkel, die Dame, die während ihrer gesamten Kanzlerzeit die Bundeswehr heruntergewirtschaftet hat, die Dame, die während ihrer Kanzlerzeit nie das versprochene 2% Ziel ernsthaft zu erreichen versuchte... Frau Merkel, das schwächste Glied der Kette der NATO weist die Wortwahl von Herrn Macron zurück. Herr Macron hat recht und Frau Merkel weiß das. Peinlich.
Andiken21 07.11.2019
4. Merkel ist der Spaltpilz der EU
Mittlerweile betrachte ich Frau Merkel in ihrer Europapoltik äußerst kritisch - immer gegen Macron und seine Bemühungen, daß europäische Bündnis zu retten. Hat Merkels "Wir schaffen das" mit ihrem damit ausgelösten Massenansturm von Migranten (und deren Belagerung von Cadiz) kurz vor dem Bürgerentscheid der Briten zum Brexit diesen meiner Meinung nach sehr entscheidend mit beeinflusst, lässt sie nun Macron bei jeder Gelegenheit hängen. Lasst diese Frau doch endlich in den Ruhestand gehen - aber wer soll es dann machen ? Wer hat Visionen ? Rächt sich hier, daß durch innerparteiliches Macht- und Postengeschiebe nur noch Speichellecker und Kriecher in der Politik nach oben kommen ?
anders_denker 07.11.2019
5. Es bringt nichts auf Verlierer zu setzen
Nato verlassen und eine Europäisch-Asiatische Allianz mit Russland und China aufbauen, bevor es andere tun!
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