Krisensitzung Nato berät über Kampfjet-Abschuss durch Syrien

Wie reagiert die Nato auf den Abschuss des türkischen Militärflugzeugs durch Syrien? Vertreter der Mitgliedstaaten beraten im Brüsseler Hauptquartier über das weitere Vorgehen. Zuvor hatte Ankara gewarnt, der Vorfall sei eine ernste Bedrohung für Frieden und Sicherheit in der Region.
Nato-Hauptquartier in Brüssel: "Ernste Bedrohung für Frieden und Sicherheit"

Nato-Hauptquartier in Brüssel: "Ernste Bedrohung für Frieden und Sicherheit"

Foto: Virginia Mayo/ AP

Brüssel - Ankara verschärft nach dem Abschuss eines türkischen Kampfjets die Tonlage gegenüber Syrien: Der Vorfall sei eine "feindliche Tat" und stelle eine "ernste Bedrohung für Frieden und Sicherheit in der Region" dar, heißt es in einem Schreiben der Türkei an die Uno, aus dem die BBC zitiert und das auch der Nachrichtenagentur AFP vorliegt. In dem Brief fordert Ankara nach Angaben der BBC allerdings keine konkreten Schritte von der Uno.

Der Jet habe sich in internationalem Luftraum befunden, betont der türkische Uno-Botschafter Ertugrul Apakan in dem Schreiben an den Sicherheitsrat und Generalsekretär Ban Ki Moon. Das Flugzeug habe kein feindliches Manöver unternommen und sei ohne Vorwarnung abgeschossen worden. Der Angriff, bei dem vermutlich zwei Piloten ums Leben gekommen seien, stelle eine "feindliche Handlung" Syriens gegen die "nationale Sicherheit" der Türkei dar. Ankara verurteile dies scharf.

Vizeregierungschef Bülent Arinç drohte mit einem Strom-Embargo gegen das Nachbarland. Dieses werde vorerst nur aus humanitären Gründen nicht umgesetzt, sagte der stellvertretende Premier.

Krisensitzung der Nato

Auf Antrag der Türkei ist die Nato am Dienstagmorgen zu einer Krisensitzung zusammengekommen. Das Treffen der Botschafter der 28 Bündnisstaaten im Brüsseler Hauptquartier war auf der Grundlage von Artikel 4 des Nato-Vertrags einberufen worden. Dieser sieht Konsultationen vor, wenn ein Mitglied seine Sicherheit gefährdet sieht.

Diplomaten betonten, ein Militäreinsatz gegen Syrien stehe nicht zur Diskussion und sei auch von der Türkei nicht vorgeschlagen worden. Über einen solche Mission würde in der Nato gemäß Artikel 5 des Bündnisvertrags beraten. Arinç korrigierte mittlerweile eine Äußerung vom Montagabend, als er irrtümlich von Beratungen gemäß Artikel 5 gesprochen hatte. Damaskus warnte die Militärallianz vor der Sitzung vor einer "Aggression". Nach dem Treffen will Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen eine Stellungnahme abgeben.

"Flächenbrand verhindern"

Ankara zufolge war ein unbewaffneter Jet am Freitag während einer Übungsmission versehentlich kurzzeitig in syrischen Luftraum eingedrungen, dann aber in internationalem Luftraum abgeschossen worden. Damaskus behauptet dagegen, der Vorfall habe sich im syrischen Luftraum abgespielt.

In dem Schreiben an den Uno-Sicherheitsrat erklärt die Türkei laut BBC, abgehörte Funksprüche zeigten, dass die syrischen Einheiten über die Umstände des Fluges informiert gewesen seien.

Die Türkei warf Syrien zudem vor, ein weiteres türkisches Flugzeug beschossen zu haben. Nach dem Abschuss des Kampfflugzeugs am Freitag geriet demnach auch ein türkisches Casa-Suchflugzeug unter Feuer. Das Außenministerium und der Generalstab hätten Syrien gewarnt, woraufhin der Beschuss sofort beendet worden sei, sagte Arinç.

International wuchs die Sorge vor einer Zuspitzung des Konflikts. "Es geht darum, dass wir einen Flächenbrand, einen Stellvertreterkrieg in der gesamten Region verhindern müssen", sagte Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) am Montag in Luxemburg nach einem Treffen der EU-Außenminister. Mehrere EU-Länder warnten vor einem militärischen Einschreiten. "Wir beteiligen uns an keinerlei Spekulationen über militärische Interventionen, wir raten auch entschieden davon ab", so Westerwelle.

heb/dpa/AFP
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