Nato
Berlin und Paris wollen Moskau an Raketenschild beteiligen
Weniger Dissens, mehr Dialog: Deutschland und Frankreich wollen Russland im Streit um den von den USA geplanten Raketenschutzschild einbinden. Eine Spaltung Europas müsse vermieden werden, erklärten die Verteidigungsminister Jung und Morin in Paris.
Hamburg - Deutschland und Frankreich dringen im Streit über den geplanten US-Raketenabwehrschild in Osteuropa auf eine Einbindung Russlands. "Wir wollen in der Nato eine gemeinsame Lösung finden und eine Spaltung Europas verhindern", sagte Bundesverteidigungsminister Franz Josef Jung nach einem Treffen mit seinem französischen Kollegen Hervé Morin in Paris.
Der russische Präsident Wladimir Putin hatte auf dem G-8-Gipfel einen Kompromissvorschlag vorgelegt, der die Stationierung eines gemeinsamen Radarsystems in Aserbaidschan vorsieht. "Das bestätigt, dass auch Putin davon ausgeht, dass wir einen Schutzschild brauchen", sagte Jung.
US-Präsident George W. Bush äußerte heute die Hoffnung auf eine nützliche Zusammenarbeit mit Russland. "Es gibt einen Prozess, in dem wir zusammenarbeiten und Informationen sehr transparent austauschen können", sagte Bush beim Besuch in Sofia. Der US-Präsident sagte, er habe Putin in Heiligendamm vorgeschlagen, die US-Pläne von russischen Experten prüfen zu lassen. "Wir werden eine Gruppe von Leuten haben, die zusammenkommen und beraten, wie den echten Bedrohungen des 21. Jahrhunderts zu begegnen ist", sagte Bush.
Am Donnerstag und Freitag kommen die Nato-Verteidigungsminister in Brüssel zusammen, anschließend steht der Nato-Russland-Rat auf dem Programm. "Ich hoffe und wünsche, dass wir im Rahmen dieses Dialoges dann zu einer Lösung im Konsens kommen", erklärte Jung. Morin und er seien sich einig, dass dieser gesucht werden müsse, erklärte der Bundesverteidigungsminister weiter. Auch sein US-Kollege Robert Gates habe ihm kürzlich zugesichert, dass die USA Russland einbinden wollten. "Über die Details muss jetzt gesprochen werden." Der Minister verwies auf Abkommen der Nato mit Russland, die einen Schutz der Truppen bei gemeinsamen Militärengagements sicherstellten. "Wir brauchen auch eine Einigung darüber, wie wir die Bevölkerung schützen können." Die USA wollen ihren Abwehrschild in Polen und Tschechien aufbauen, er soll Raketen aus Iran oder Nordkorea abfangen. Russland sieht sich dadurch bedroht.
Auch in der Nato selbst bestehe noch Diskussionsbedarf, erklärte Jung. Denn durch die bisherigen US-Pläne für den Schild würden "nur 75 Prozent Europas abgedeckt", sagte er.
flo/dpa/AP/AFP/rts
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