Nato-Chefmediziner Keine Krebsgefahr durch Uran-Geschosse


Brüssel/Madrid - Die Chefmediziner der 19 Nato-Länder sehen keinen Zusammenhang zwischen dem Einsatz von Uran-Munition auf dem Balkan und Leukämie oder anderen Krebsfällen. Das erklärten sie nach einer Sondersitzung des Gesundheitsausschusses der Allianz in Brüssel.

Der Vorsitzende des Ausschusses, der belgische Generalmajor Roger Van Hoof, sagte ferner, nach den vorliegenden Daten könne man auch keinen Zusammenhang zwischen der leicht radioaktiven Munition und anderen von Balkansoldaten gemeldeten Beschwerden erkennen. Die Zahlen stellten keine überproportionale Zunahme im Vergleich zu den Soldaten dar, die nicht in Bosnien oder im Kosovo stationiert gewesen seien.

Laut Van Hoof kann man auch nicht von einem "Balkan-Syndrom" sprechen. Ein Syndrom sei im medizinischen Sinn ein Bündel von Krankheitssymptomen, während es sich auf dem Balkan um Einzelbeschwerden der Soldaten handle. Die Nato nehme diese Gesundheitsprobleme jedoch ernst. Die Mitgliedsstaaten werden aufgefordert, vollständige Daten zu sammeln und diese mit denen von Soldaten, die nicht im Balkan waren, und mit denen der Normalbevölkerung zu vergleichen.

Die hohen Nato-Ärzte empfehlen, dass nur besondere Maßnahmen ergriffen werden sollen, wenn es dafür wirklich wissenschaftliche Begründungen gebe. Die Diskussion um die Uran-Munition werde zu emotional geführt, kritisierten sie.

Der amerikanische Militärmediziner Oberst David Lam verwies auf zahlreiche medizinische Studien, die keinen Zusammenhang zwischen natürlichem Uran oder abgereicherten Uran und Krebserkrankungen hätten herstellen können. Er sagte, eine Person, die ein Jahr lang täglich zwei Zigaretten rauche oder öfters geröntgt werde, nehme mehr Strahlung auf, als ein Soldat, der ein Uran-Geschoss eine Stunde lang an seinem Körper trage.

Die größte Gefahr gehe von der Uran-Munition bei der Detonation der Geschosse aus, wenn Uran-Staub und Aerosol frei werde. Aber auch bei Personen, die sich beim Aufschlag im Inneren eines Panzers befanden und überlebten, sei kein erhöhtes Krebsrisiko festgestellt worden.



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