Ukraine-Konflikt Nato erwägt Raketenabwehr gegen Russland

In der Nato wird nach SPIEGEL-Informationen diskutiert, den künftigen Raketenabwehrschirm auch gegen Russland in Stellung zu bringen. Die Bundesregierung bremst jedoch: Man solle Moskau nicht ohne Not provozieren.
Bodenbasiertes Raketenabwehrsystem in Kalifornien (Archiv): Nato-Raketenschirm gegen Russland in Überlegung

Bodenbasiertes Raketenabwehrsystem in Kalifornien (Archiv): Nato-Raketenschirm gegen Russland in Überlegung

Foto: Joe Davila/ AFP

Hamburg - In der Nato gibt es Überlegungen, die gegen potenzielle Angriffe aus dem Nahen Osten geplante Raketenabwehr auch gegen Russland auszurichten. Solche Forderungen, unterstützt von den USA, kommen nach SPIEGEL-Informationen aus den baltischen Mitgliedsländern und Polen.

In den Vorbereitungen des Nato-Gipfeltreffens Ende kommender Woche hatten die vier Länder gefordert, eine entsprechende Formulierung zu beschließen; sie fühlen sich durch die russische Intervention in der Ukraine bedroht. Die Mehrheit, allen voran Deutschland, sprach sich jedoch dagegen aus, weil man Moskau nicht ohne Not provozieren solle. Schließlich habe die Nato jahrelang den Russen versichert, der Raketenschirm richte sich nicht gegen sie.

Die weitere Debatte wurde auf die Zeit nach dem Nato-Gipfel verschoben.

In einem anderen Punkt setzten sich die Hardliner durch: Die sogenannten Rückversicherungs-Maßnahmen für Polen und das Baltikum, darunter die Stationierung von vier Kompanien und mehr Aufklärungsflüge an der Nato-Ostgrenze, sollen nicht nach einem Jahr automatisch auslaufen. Das Berliner Kanzleramt hatte gefordert, dass die militärischen Aktionen nach einem Jahr von allen Nato-Staaten erneut bestätigt werden müssen. Da die Bundesregierung am Ende mit dieser Forderung allein stand, gab sie klein bei (Diese Meldung stammt aus dem SPIEGEL. Den neuen SPIEGEL finden Sie hier.).

Bei ihrem jüngsten Besuch in Lettland hatte Kanzlerin Angela Merkel die Unterstützung durch das Nato-Bündnis bei einer möglichen Bedrohung Russlands zugesichert. Dabei ließ sie auch die Tagesordnung des Nato-Gipfeltreffens in Cardiff Anfang September durchblicken: Neben Manövern würde es unter anderem auch um "verstärkte Übungstätigkeit" gehen.