Treffen mit Trump bei Jubiläumsgipfel Macron wiederholt Kritik an fehlender Nato-Strategie

Mit seiner "Hirntod"-Aussage über die Nato verärgerte Frankreichs Präsident viele Bündnispartner - auch US-Präsident Trump. Bei einem Treffen der beiden blieb Macron bei seiner Kritik, zeigte sich aber versöhnlich.


"Meine Äußerungen haben Reaktionen hervorgerufen. Aber ich stehe dazu": Mit diesen Worten hat Frankreichs Präsident Emmanuel Macron seine "Hirntod"-Aussage über die Nato verteidigt. Bei einem Gespräch mit US-Präsident Donald Trump am Rande des Treffens beklagte er das Fehlen einer strategischen Ausrichtung des Militärbündnisses.

Dazu zähle eine gemeinsame Definition von Terrorismus, sagte Macron. Diese fehle bisher. Die Türkei kämpfe in Nordsyrien gegen jene, die vorher an der Seite der westlichen Partner gegen die Terrororganisation "Islamischer Staat" gekämpft hätten. "Das ist ein Problem, das ist ein strategisches Problem", sagte Macron. Gemeint sind kurdische Milizen, gegen die die Türkei mit ihrer Militäroffensive in Nordsyrien vorgeht.

Macron nannte darüber hinaus den Schutz Europas vor russischen Mittelstreckenwaffen nach dem Ende des INF-Vertrags. Auch das müsse besprochen werden.

Macron würdigt US-Einsatz für Nato

Der französische Präsident erkannte gleichzeitig an, dass die USA seit Jahrzehnten in der Nato mehr Geld für Verteidigung ausgäben als europäische Partner. Die Stärkung der europäischen Verteidigung sei genau seine Stoßrichtung. Es gehe aber in der Nato nicht nur um Geld und Zahlen. Der größte Preis sei der Verlust von Leben.

Trump hatte Macron zuvor heftig angegriffen, äußerte sich aber bei dem gemeinsamen Auftritt zurückhaltend.

Der Nato-Gipfel beginnt am Abend mit einem Empfang bei der britischen Königin Elizabeth II. Zu Syrien gibt es am Nachmittag ein Vierertreffen mit Macron, Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), dem britischen Premierminister Boris Johnson und dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan (mehr dazu lesen Sie hier).

Ansonsten geht es bei dem zweitägigen Gipfel um die Positionierung der Allianz gegenüber Russland und China und den Stand bei der Steigerung der Verteidigungsausgaben. Zudem will das Bündnis den Weltraum zum militärischen Einsatzgebiet erklären. Am Nachmittag wurde bekannt, dass sich die Teilnehmer bereits auf eine gemeinsame Erklärung geeinigt haben (mehr dazu lesen Sie hier).

mho/dpa



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